Zuletzt häuften sich beim FC Bayern die Fehler in der Defensive. Kann das in der entscheidenden Saisonphase, speziell in der Champions League, zum Problem werden?
Dieses Risiko bringt ihre offensive Spielweise mit sich. Zuletzt war das aber auch dem geschuldet, dass man sehr vielen Spielern Einsatzzeit gegeben hat, die gerade aus Verletzungen kommen – Alphonso Davies, Jamal Musiala, Hiroki Itō. Insgesamt kann sich Bayern im Moment aber nur selbst schlagen. Beim 2:1-Sieg bei Paris Saint-Germain hat man gesehen, wo Bayern auf internationalem Toplevel seine Probleme hat. Vor allem Arsenal hat die dann bei dem 3:1-Sieg gegen Bayern aufgedeckt.
Zählt Bayern trotzdem zu den Favoriten in der Champions League?
Definitiv. Sie sind ja auch Zweiter in der Liga-Phase geworden. Sie haben die Mannschaft vor allem mit Díaz und Tah nun noch einmal deutlich verstärkt, was die erste Elf betrifft. Deswegen sehe ich sie schon als einen der großen Titelkandidaten.
Wissen Sie eigentlich, was Sie mit Thomas Tuchel gemeinsam haben?
Ja, das habe ich schon mal gehört.
Nur Sie beide erreichten bei der theoretischen Prüfung zur A-Trainerlizenz des DFB bisher die volle Punktzahl.
Da ging es hauptsächlich um Analyse, um schnelle Einschätzung von Spielsituationen. Das ist meine Stärke und auch etwas, das jetzt als Experte bei DAZN sehr gefragt ist: schnell Lösungsmöglichkeiten zu finden. Und in dem Fall den Zuschauern zu erklären. Das war auch als Trainer und Co-Trainer immer meine Stärke.
Als Kompany im Sommer 2024 nach München kam, waren Sie zwischenzeitlich als sein möglicher Co-Trainer im Gespräch. Wie konkret war der Kontakt damals – und warum ist es nicht dazu gekommen?
Es gab schon das eine oder andere Telefonat. Über den Fußballlehrerlehrgang hatte Kompany aber schon Kontakt mit René Marić – und auch sein Trainerteam irgendwo schon im Kopf. Und da war ich nicht mit dabei. Das ist aber ein normaler und üblicher Vorgang. Damit hatte sich das für mich dann auch wieder erledigt.
Wäre eine solche Rückkehr für Sie grundsätzlich reizvoll gewesen?
Zu diesem Zeitpunkt damals wäre das schon sehr reizvoll für mich gewesen.
2023 führten Sie den VfL Osnabrück noch als Chefcoach zum Aufstieg in die 2. Liga. Warum ging es danach als Trainer bislang nicht weiter für Sie?
Ich bekomme immer wieder Anfragen, fast jeden Monat. Die habe ich mir angehört, sie analysiert, meist jedoch relativ schnell abgesagt.
Weil ich dann bei DAZN relativ schnell fest als Experte angefragt wurde und mir das sehr viel Spaß macht. Ich habe die Zeit auch genutzt, um mir nebenbei ein paar weitere Standbeine aufzubauen, Gamecode ist eins davon. Mit diesen Aufgaben bin ich ausgelastet. Ich bin jetzt auch fast sechs Tage in der Woche zu Hause bei meiner Familie, was früher nicht der Fall war. Im Moment erfüllt mich all das einfach und ich bin sehr happy damit.
Zuletzt wurde Ihr Name auch wieder bei den Trainerkandidaten am Nachwuchs-Campus des FC Bayern genannt. Wäre das interessant für Sie?
Nein. Aufgrund meiner anderen aktuellen Aufgaben sind eigentlich fast alle Trainer-Jobs im Moment nicht interessant für mich. Der Bayern-Campus ist noch mal eine eigene Thematik.
Ich habe dort drei Jahre lang bei Bayern gearbeitet, wir haben damals die bislang letzte Meisterschaft in der Jugend geholt.
Sie meinen die B-Junioren-Meisterschaft mit der U17 in der Saison 2016/17.
Ja. Das ist aber auch schon wieder neun Jahre her. Wenn man meine Expertise gewollt hätte, dann hätte man damals sicher auch eine Lösung gefunden, dass ich im Verein bleibe.
Wie meinen Sie das genau?
Da sind in der Vergangenheit ein paar Sachen nicht so gelaufen, wie man sich das in einer guten und erfolgreichen Zusammenarbeit über insgesamt sechs Jahre (2012 bis 2015 spielte Schweinsteiger für die Amateure des FC Bayern; Anm. d. Red.) vorstellt. Ich glaube, wir haben da sehr gute Arbeit geleistet, sind mit einem sehr jungen Team mit der zweiten Mannschaft in der Regionalliga Bayern Zweiter geworden. Es gab aber jetzt auch keine Anfrage von Bayern an mich. Dass mein Name aufploppt, wenn speziell hier in der Region eine Stelle frei wird, ist vielleicht irgendwie normal. Vielleicht auch deshalb, weil mein Nachname halt immer zieht.
Bei Stuttgart-Coach Sebastian Hoeneß war und ist das ähnlich. Es gibt insgesamt einige Parallelen zwischen Ihnen beiden. Auch er legte den Grundstein für seine Karriere als Chefcoach als Trainer am Bayern-Campus. Schauen Sie deshalb bei seiner Entwicklung etwas genauer hin?
Wir sind immer in guten Gesprächen, wenn wir uns im Stadion begegnen. In der Zeit in der Nachwuchsabteilung der Bayern war das vielleicht nicht ganz so leicht. Nicht zwischen uns, aber so insgesamt zwischen den Parteien dort damals. Die Art und Weise, wie er mit Stuttgart Fußball spielt, gefällt mir sehr. Er hat als Cheftrainer wirklich eine tolle Entwicklung genommen. Und mit seiner Nähe zum FC Bayern ist er natürlich immer ein Kandidat, der auch dort infrage kommt.
