Offener und gelassener werden

Darum können sich Menschen doch ändern


22.02.2026 – 06:54 UhrLesedauer: 3 Min.

Stress im Privatleben oder Beruf: Training kann auch im Alter helfen, resilienter zu werden. (Quelle: Ridofranz/getty-images-bilder)

Schüchtern, sensibel, skeptisch: Viele Menschen glauben, dass man ab einem gewissen Alter eine feste Persönlichkeit hat. Eine aktuelle Studie widerspricht diesem verbreiteten Eindruck.

Wer gelassener mit Stress umgehen oder offener auf andere zugehen möchte, kann das offenbar in jedem Lebensalter lernen. Das zeigt ein Forschungsteam aus Deutschland und der Schweiz. In ihrer Studie profitieren ältere Erwachsene genauso stark von einem gezielten Persönlichkeitstraining wie junge. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Communications Psychology“ veröffentlicht.

Die Persönlichkeit gilt oft als relativ stabil. Zwar entwickeln sich bestimmte Eigenschaften im Laufe des Lebens weiter, doch frühere Studien zeigten, dass sich Persönlichkeitsmerkmale nach dem jungen Erwachsenenalter weniger stark verändern. Unklar blieb jedoch, ob ältere Menschen tatsächlich schlechter auf Trainingsprogramme reagieren – oder ob man diese Altersgruppe schlicht zu selten untersucht hat. Genau hier setzt die neue Studie an.

An einem achtwöchigen Präsenztraining nahmen 165 Personen teil: junge Erwachsene überwiegend in ihren Zwanzigern sowie ältere Erwachsene zwischen 60 und 80 Jahren. Die Teilnehmer besuchten wöchentliche Sitzungen und übten im Alltag, besser mit Stress und herausfordernden sozialen Situationen umzugehen. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf zwei zentrale Persönlichkeitsmerkmale: emotionale Stabilität und Extraversion.

Das Training kombinierte mehrere bewährte psychologische Ansätze: Die Teilnehmenden übten Achtsamkeit, um Stress früh wahrzunehmen und ruhiger zu reagieren. Sie stärkten Mitgefühl für sich selbst und andere, lernten Gefühle besser zu erkennen und verantwortungsvoll mit Konflikten umzugehen. Methoden der Akzeptanz- und Commitment-Therapie halfen ihnen, unangenehme Gedanken anzunehmen und sich an persönlichen Werten zu orientieren. Systemische Elemente förderten den Blick auf das eigene Verhalten im sozialen Umfeld. Im Gruppentraining sozialer Kompetenzen trainierten sie zudem ganz praktisch, Gespräche zu führen, Bedürfnisse klar zu äußern und sicherer aufzutreten.

Das Team erfasste Veränderungen der Persönlichkeit vor, während und bis zu einem Jahr nach dem Training. Dabei gingen sie auf mehreren Ebenen vor. Zum einen nutzten die Forscherinnen und Forscher klassische Fragebögen. Diese messen das sogenannte explizite Selbstkonzept – also die bewusste Selbsteinschätzung, etwa bei Aussagen wie „Ich bleibe auch unter Druck ruhig“. Zusätzlich setzten sie einen indirekten, computerbasierten Test ein. Dieser Test erfasst das implizite Selbstkonzept. Damit messen Psychologen automatische, weniger bewusste Verknüpfungen zwischen der eigenen Person und bestimmten Eigenschaften.

Die Ergebnisse fallen deutlich aus: In beiden Altersgruppen stiegen durch das Training sowohl die emotionale Stabilität als auch die Extraversion im Durchschnitt an. Die Veränderungen unterschieden sich dabei kaum zwischen Jüngeren und Älteren. Für die Wissenschaftler stellt das ein „auffälliges und unerwartetes Ergebnis“ dar, da es älteren Menschen oft schwerer fällt, neue Fähigkeiten wie etwa eine Fremdsprache oder ein Musikinstrument zu erlernen.

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