Woran liegt das?
Kaum ein Zug zwischen Hamburg und Berlin ist pünktlich
02.09.2026 – 16:59 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach der Generalsanierung kämpft die Bahn zwischen Hamburg und Berlin immer noch mit der Pünktlichkeit. Was steckt hinter den Problemen?
Fast ein Jahr lang wurde die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin saniert. Seit Mitte Juni fahren wieder Züge zwischen den beiden Metropolen. Neue Zahlen zeigen, wie unzuverlässig der Verkehr nach der Wiedereröffnung lief: Viele Züge waren verspätet oder fielen komplett aus.
In den ersten 43 Tagen nach der Freigabe, also vom 14. Juni bis zum 26. Juli, fuhren insgesamt 3.150 Züge auf der Strecke. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Nur 811 davon gelten als pünktlich – 25,7 Prozent. Doch selbst „pünktlich“ kann bei der Deutschen Bahn noch eine Verspätung von maximal sechs Minuten bedeuten.
Züge sammeln auf der Strecke zusätzliche Verspätung
Fast jeder dritte Fernzug war mehr als 30 Minuten verspätet. 219 Züge erreichten ihr Ziel mit mehr als 90 Minuten Verspätung. Hinzu kamen 172 Ausfälle. Besonders auffällig: An allen 43 untersuchten Tagen waren am Ende des Abschnitts weniger Züge pünktlich als zu Beginn. Die Fernzüge sammelten zwischen Hamburg und Berlin also zusätzliche Verspätung.
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Deutlich wird das am 14. Juni, dem Tag der offiziellen Wiedereröffnung. Zu Beginn der Strecke waren noch 51,3 Prozent der Fernzüge pünktlich. Am Ende des Abschnitts waren es nur noch 11,5 Prozent. Der beste Tageswert im gesamten Untersuchungszeitraum lag bei 52,2 Prozent.
Nach Angaben der Deutschen Bahn ist es normal, dass es kurz nach einer Inbetriebnahme noch zu Problemen kommt, etwa durch verdeckte Fehler, die erst unter realer Belastung auffallen. Als Hauptgründe für die Verspätungen nannte die Bahn Hitzetage, Unwetter, verspätete vorausfahrende Züge, andere Bauarbeiten und eine veraltete Signaltechnik. In bestimmten Bereichen durften die Züge bislang nur Tempo 160 statt 230 fahren.
Grüne sprechen von einem Jahr „Leidenszeit“
Die Hamburger Grünen-Bundestagsabgeordneten Linda Heitmann und Katharina Beck kritisieren die Bilanz. „Dass immer noch so viele Züge über 90 Minuten Verspätung haben und sogar Züge ausfallen, ist inakzeptabel“, sagten sie. Besonders Pendler hätten inzwischen „ein ganzes Jahr Leidenszeit hinter sich“. Zudem informiere die Bahn oft zu spät über Probleme und Alternativen.
Zusätzliche Entschädigungen oder kleine Aufmerksamkeiten für Reisende auf besonders unzuverlässigen Strecken sind bislang nicht vorgesehen. Die Bundesregierung verweist lediglich auf die üblichen Entschädigungen bei Verspätungen. Das Bundesverkehrsministerium überprüfe derzeit, warum sich Wiedereröffnungen verzögerten und Störungen nicht wie erwartet zurückgingen.
