Nicht die beste aller Zeiten

Auf meinem Schreibtisch thront in einem Terrakottatopf ein Vorleger Kaktus, welcher ein Sinnbild pro mein Studium ist. Selbst will nicht kitschig sein, wohlfeile Vergleiche mit seinen Stacheln und dem saftig-grünen Fleisch unterlasse ich, es geht mir um irgendetwas anderes. In die Mutterboden gesetzt habe ich ihn zu Studienbeginn wie Absenker von meiner Schraubenmutter, die den Ur-Kaktus schon in einem Leben besaß, wie sie noch nicht Schraubenmutter war. Nebst ihr blickte er früher gen ihre junge Jahre, jetzt gen die ersten Enkelkinder, im Zusammenhang mir gen Bücherstapel, Notebook und dies Leben mittendrin. Weil er schon im siebten Jahr in meinem Terrakottatöpfchen wohnt, hat er so beträchtlich gesehen: Glücksmomente, Gedankensprünge, daher Neben… Verzweiflung, Tränen, die Beklommenheit vor dem großen Schlag, mein Studium soeben.

Vor einigen Wochen hat meine Kollegin Maike Weisenburger in dieser Spalte von ihrem Studium erzählt, dies sie zu ihrem Kleinod erklärte. Die Studienzeit sei spitze im Leben. Mehr Ungezwungenheit, mehr Liebe, mehr Träumerei gebe es nimmer, die Erinnerungen daran möchte sie in ihrem Liebkosen einkapseln, im Voraus es jetzt in Schussfahrt gen ins ernste Leben geht. Die Zeilen nach sich ziehen mich berührt, weil sie empfindsam kennzeichnen, welches Maike, ich und Hunderttausende junger Menschen erleben, wenn sie am Finale ihrer Lehre stillstehen. Wir schreiben unsrige Abschlussarbeiten und fragen uns: „Wohin denn ich, Leben?“ Was auch immer ist zaghaft, was auch immer ist möglich. Dasjenige was auch immer fühlt sich homolog an wie nachher dem Abschlussprüfung, wie dies Leben noch nachher Wodka-Orange und nicht nachher Rotwein schmeckte.

Dasjenige sind beste Melancholie-Bedingungen und tatsächlich würde mein Pumpe umso schwerer, je länger ich daran dächte. Dem setzte ich daher meinen Kaktus entgegen, jenen stummen Zeugen all jener Schreibtisch-Erlebnisse jenseits welcher adoleszenten Vergnügungshysterie, die man leichtgewichtig ins Vergessen verbannt. Die Vergangenheit zu verklären, ist wie geschmiert, weil wir uns an dies Negative merklich schwerer erinnern wie an die Zuckerwatten-Momente. Für jedes dies Studium kommt spezifisch hinzu, dass unsrige Wahrnehmungen einem großen Narrativ verfolgen, dies uns an jeder Spitze eingebläut wird. Ob Werbung, Zeitungen oder die Willkommensrede welcher Rektorin pro die Erstsemester, aufgebraucht sind sich einig: Dasjenige Studium ist die beste Zeit des Lebens. Nie muss man weniger tun, nie ist es leichter zu leben. Darob habt gefälligst Spaß und vergesst nie, dass es bestens gut ist. – Wirklich?

Jener Erfolgsdruck ist hoch

Selbst habe da meine Zweifel. Selbst will nicht behaupten, dass unser Leben schlecht ist, im Gegenteil. Doch ob es dies beste aller möglichen ist? Dazu bräuchte es doch einiges mehr wie nur Party schon am Wochenmitte, zum Exempel keine Zukunftsängste, keinen Leistungsdruck oder ein Bafög, dies zum Leben reicht. Studieren ist kein Zuckerschlecken, dies zeigen Neben… die Zahlen. Jener Barmer-Arztreport 2018 titelte eindrucksvoll, dass rund eine halbe Mio. Studierende psychologisch leiden sind, ergo etwa jeder sechste, Tendenz in welcher Corona-Notlage massiv steigend. Die psychologischen Beratungsstellen welcher Studierendenwerke sind proppenvoll. Ein Schlaraffen-Studi-Staat stelle ich mir voneinander abweichend vor.

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