Zahlreiche Medikamente betroffen

Neuer Warnhinweis: Was Patienten jetzt wissen müssen


01.10.2026 – 12:36 UhrLesedauer: 3 Min.

Gegenhautleiden oder Entzündungen (Symbolbild): Viele Gels und Salben enthalten Polysorbate.

Gegen Hautleiden oder Entzündungen (Symbolbild): Viele Gels und Salben enthalten Polysorbate. (Quelle: Ake Ngiamsanguan/getty-images-bilder)

Arzneimittel, die Polysorbate enthalten, erhalten einen neuen Warnhinweis. Betroffen sind Cremes und Salben, aber auch Injektionslösungen.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nehmen Zusatzstoffe in Arzneimitteln regelmäßig unter die Lupe. Im Jahr 2024 kamen die Experten zu dem Schluss, dass es für Produkte mit sogenannten Polysorbaten eines zusätzlichen Sicherheitshinweises bedarf. Denn die Daten wiesen darauf hin, dass Polysorbate unter anderem allergische Reaktionen hervorrufen können.

Was sind Polysorbate – und wo stecken sie drin?

Polysorbate sind häufige Hilfsstoffe in zahlreichen Tabletten, Kapseln, Cremes und Lösungen. Die Hauptvertreter dieser Inhaltsstoffe sind Polysorbat 20 und Polysorbat 80. Laut der EMA enthalten allein in Deutschland über 3.000 Arzneimittel Polysorbate.

Die Hilfsstoffe werden hauptsächlich wegen ihrer emulgierenden Wirkung verwendet. Das heißt, sie gewährleisten, dass sich eigentlich nicht mischbare Flüssigkeiten wie Wasser und Öl vermischen.

In der Praxis finden Patienten Polysorbate zum Beispiel in:

  • Hydrocortison-Cremes (bei entzündlichen und allergischen Hauterkrankungen),
  • Aknesalben,
  • Gels gegen aktinische Keratosen (eine durch Sonnenlicht verursachte Hautveränderung),
  • einigen Nasensprays
  • zahlreichen Injektionslösungen in Fertig-Pens und -spritzen.

Polysorbate in Impfstoffen

Polysorbate sind seit vielen Jahren als Hilfsstoffe in verschiedenen Impfstoffen (u. a. gegen Grippe und Covid) enthalten, um Wirkstoffe zu stabilisieren. Die EMA bewertet sie in den zugelassenen Konzentrationen als im Allgemeinen gut verträglich, auch wenn selten allergische Reaktionen bis hin zum allergischen Schock beschrieben sind. Menschen, die schon einmal Überreaktionen auf Medikamente, Abführmittel oder auf ein Röntgen-Kontrastmittel gezeigt haben, sollten sich aber gegebenenfalls bei ihrer Allergologin oder ihrem Allergologen Rat holen.

Neuer Pflicht-Hinweis bei Hautpräparaten

Für Medikamente zur topischen Anwendung – also solche, die direkt auf die Haut oder Schleimhaut kommen – schlägt die EMA einen Warnhinweis bei „Schwellenwert null“ vor. Das bedeutet: Schon geringe Mengen können bei empfindlichen Personen eine Reaktion auslösen.

Der zentrale Satz, den Hersteller jetzt in die Texte ihrer Arzneimittel aufnehmen, lautet: „Polysorbate können allergische Reaktionen hervorrufen.“

Hintergrund ist, dass Experten sogenannte verzögerte Überempfindlichkeitsreaktionen beschrieben haben. Dazu gehören Kontaktdermatitis (eine entzündliche Reaktion der Haut) und Kontakturtikaria (Quaddeln und Juckreiz nach Kontakt mit einem Stoff).

Zusätzliche Warnungen bei Injektionspräparaten

Auch Medikamente, die als Spritze oder Infusion verabreicht werden (parenterale Anwendung), erhalten neue Vorgaben. Hersteller geben künftig genauer an, wie viel Polysorbat eine Dosis enthält. Bei höheren Tagesmengen weisen sie zusätzlich darauf hin, dass Polysorbate in seltenen Fällen Herzrhythmus und Blutkreislauf beeinflussen können. Bei sehr hohen Dosen warnen sie außerdem vor möglichen Leberproblemen.

Diese Angaben richten sich vor allem an Ärzte und andere Fachkreise, zeigen aber: Bei sehr hohen Mengen Polysorbaten spielt die Dosis eine Rolle für Herz- und Lebergesundheit.

Was bedeutet das für Patienten?

Für Verbraucher, die Cremes, Salben, Gels oder Nasensprays eigenständig anwenden, ist der neue Warnhinweis vor allem ein Signal zur Aufmerksamkeit. Er sagt nicht, dass das Präparat grundsätzlich gefährlich ist, sondern dass eine allergische Reaktion möglich bleibt – wie bei vielen anderen Hilfsstoffen auch.

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