„Werden Kernindustrien verlieren“
China bringt sich in Stellung
18.04.2026 – 16:26 UhrLesedauer: 4 Min.
China treibt seine Pläne für Energiedominanz im Bereich der sauberen Energien weiter voran. Zentrale europäische Industrien warnen.
In der vergangenen Woche haben sich zentrale europäische Energieunternehmen zusammengefunden, um die EU und ihre Mitgliedsländer wachzurütteln. Mal wieder, muss man hinzufügen, denn es ist nicht das erste Mal, dass vor dieser Gefahr gewarnt wird: der sich anbahnenden Energiedominanz Chinas im Bereich der sauberen Energien und Technologien. Wind, Solar, Batterien und jetzt auch noch Wärmepumpen und Wasserstoff: In Peking wird gerade viel dafür getan, in allen Cleantech-Bereichen massiv voranzukommen.
Am Dienstag gründete sich unter anderem deshalb die „European Resiliance Alliance for Clean Hydrogen & Derivatives“ (ERA) – also eine europäische Wasserstoffallianz, die den Aufbau einer heimischen Wasserstoffinfrastruktur forcieren will. „Bei der Energiewende in Europa geht es nicht nur um Dekarbonisierung, es geht um den Aufbau eines widerstandsfähigen, souveränen Energiesystems, das sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch der Industrie zugutekommt“, sagte die CDU-Politikerin Andrea Wechsler auf der Gründungsveranstaltung. „Resilienz muss zu einem der Leitprinzipien unserer Energiepolitik werden“, so die Abgeordnete des Europäischen Parlaments.
Während Wind, Solar, Biomasse und Wasserkraft weltweit ausgebaut werden, stockt es beim Wasserstoff. Ohne dieses Gas kann die Energiewende aber kaum erfolgreich sein. Insbesondere für Industrien, die für ihre Prozesse aktuell Kohle oder Erdgas verwenden müssen – und aus technischen Gründen nicht auf Strom umstellen können –, ist Wasserstoff eine der wenigen realistischen Optionen, klimaneutral zu werden. Zu den Branchen, die auf Wasserstoff angewiesen sind, zählen vor allem die Stahlindustrie, Teile der Chemiebranche sowie die Schifffahrt und der Flugverkehr.
Dass Wasserstoff dringend gebraucht wird, hat auch China verstanden. Deshalb hat die chinesische Regierung den Energieträger im kürzlich verabschiedeten Fünfjahresplan als „Zukunftstechnologie“ definiert, die bis 2030 massiv gefördert werden soll. Ausgegebenes Ziel: 2030 soll Wasserstoff zu Preisen um die zwei bis drei Euro pro Kilogramm verkauft werden können. Aktuell kostet grüner Wasserstoff in Europa je nach Abnahmeform 10 bis 20 Euro/kg. Würde Wasserstoff aus China wirklich so günstig wie im Fünfjahresplan ausgegeben werden, wäre der Energieträger im Wesentlichen genauso günstig wie Erdgas und damit wettbewerbsfähig. Erklärtes Ziel ist es zudem, Wasserstoff zu exportieren – auch nach Europa.
Ob dieses Ziel wirklich realisierbar ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Man darf nicht vergessen, dass der Fünfjahresplan auch ein Propagandapapier ist – Behauptungen der chinesischen Regierung sind mit Vorsicht zu genießen. Doch europäische Industrien mahnen trotzdem: In China wird gerade bei Elektrolyseuren, die Wasserstoff herstellen, massiv skaliert. Und in der Vergangenheit hatte Peking schon mal Zukunftstechnologien ernannt, in denen sie jetzt dominant ist – Elektroautos zum Beispiel.











