Tokio-Effekt am „Assi-Eck“

Zwischen Feiern und Einschlafen: Neue Ampel spaltet Stadtviertel


16.07.2026 – 11:30 UhrLesedauer: 2 Min.

Shibuya in Sachsen: Dresden testet eine diagonale Fußgängerampel nach dem Vorbild Tokios. (Quelle: IMAGO/Rolf Poss)

Dresden testet eine diagonale Fußgängerampel nach dem Vorbild Tokios. Während Passanten feiern, bricht im Berufsverkehr das Chaos aus. Kippt der Versuch vorzeitig?

Wer seit dem 30. Juni das „Assi-Eck“ (siehe unten) in der Dresdner Neustadt ansteuert, erlebt eine Überraschung. Sobald die Fußgängerampeln auf Grün springen, kreuzen Passanten die Fahrbahn in jede Richtung – auch schräg von Ecke zu Ecke. Autos und Fahrräder müssen in dieser Phase komplett stoppen. In Japan steuert dieses System die berühmte Shibuya-Kreuzung, an der Tausende Menschen gleichzeitig die Straße überqueren.

Das Original: Tausende queren gleichzeitig die Shibuya-Kreuzung in Tokio. Hier funktioniert das Rundum-Grün seit Jahrzehnten. (Quelle: IMAGO/Andrzej Iwanczuk)

Ein Hauch von Tokio im Viertel

Mit dem Test im Rahmen des Projekts „Louisenstraße im Wandel“ will die Stadt Dresden die Straßen sicherer machen und das Viertel beleben. André Barth, Leiter der Stadtbezirksämter Altstadt und Neustadt, erklärte im MDR, der Versuch solle zeigen, ob die Schaltung im Alltag taugt. Der Pilotbetrieb läuft bis Oktober. Begleitend können die Dresdner im Internet bewerten, wie sich die Ampel bewährt.

(Quelle: via www.imago-images.de)

„Assi-Eck“: Das Herz der Neustadt

Die Kreuzung von Rothenburger, Görlitzer und Louisenstraße ist nachts Partyzone und Nadelöhr zugleich. Ausgerechnet hier läuft jetzt der neue Ampel-Test.

Drei Autos pro Grünphase

Vor Ort sind die Meinungen jedoch gespalten. Ulrike Pasch, die direkt an der Kreuzung ein Bekleidungsgeschäft führt, sagte dem MDR: „Wenn es Grün ist, dann ist es toll an der Ampel und wenn es Rot ist, ist man kurz vor dem Einschlafen.“

Gründlich getestet: Berlin hatte eine Rundum-Grün-Ampel am Checkpoint Charlie. Im Sommer 2023 die Umstellung auf eine reguläre Schaltung beschlossen – nach 23 Jahren. (Quelle: Dirk Sattler via www.imago-images.de)

Während sich Fußgänger schnell an die neuen Wege gewöhnten, staue sich der Autoverkehr massiv, sagt die Händlerin. Nach ihrer Einschätzung schaffen pro Grünphase teils nur noch drei Fahrzeuge die Kreuzung. Auch unter Radfahrern regt sich Unmut, da sie nun gemeinsam mit den Autos in den langen Warteschlangen stehen.

Im Oktober soll der Versuch in Dresden enden. Wenn die Bürokratie es zulässt. Wie langlebig solche Provisorien sein können, zeigt Berlin: Dort dauert ein ähnlicher Versuch bereits mehr als 20 Jahre.

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