Trotz Atomkraft

Frankreich kämpft mit gleichem Stromproblem wie Deutschland


07.06.2026 – 10:24 UhrLesedauer: 3 Min.

Kernkraftwerk Cattenom: Französische Reaktoren müssen immer häufiger ihre Leistung drosseln. (Quelle: sepp spiegl/imago-images-bilder)

Negative Strompreise, Überschüsse im Netz und gedrosselte Kraftwerke: Frankreich erlebt zunehmend Probleme, die man auch aus Deutschland kennt.

Die französische Energiepolitik gilt vielen als Gegenmodell zu Deutschland. Während hierzulande die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet wurden, setzt Frankreich weiter auf Kernenergie und plant sogar neue Reaktoren. Gleichzeitig treibt die Regierung von Präsident Emmanuel Macron aber auch den Ausbau von Solar- und Windkraft voran. Eine Kombination, die das französische Stromsystem zunehmend unter Druck setzt.

Der staatliche Energiekonzern EDF warnt inzwischen vor steigenden Anforderungen an seine Reaktoren. Grund dafür ist der Erfolg der erneuerbaren Energien: Immer häufiger müssen Atomkraftwerke ihre Leistung reduzieren, weil mittags große Mengen Solarstrom ins Netz eingespeist werden.

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Wenn die Sonne scheint, wird Atomstrom verdrängt

Die installierte Solarleistung Frankreichs liegt inzwischen bei rund 33 Gigawatt. Damit verfügt das Land zwar noch über deutlich weniger Solaranlagen als Deutschland, an sonnigen Tagen erzeugen sie jedoch bereits erhebliche Strommengen.

Das führt zu einem Problem, das in ganz Europa immer häufiger auftritt: Strom muss in dem Moment verbraucht werden, in dem er produziert wird. Fließt mittags besonders viel Solarstrom ins Netz, sinkt der Bedarf an anderen Kraftwerken.

Anders als Gaskraftwerke sind Kernkraftwerke jedoch ursprünglich nicht dafür gebaut worden, ständig ihre Leistung zu verändern. Sie wurden als sogenannte Grundlastkraftwerke konzipiert und sollten möglichst gleichmäßig Strom produzieren.

Frankreich nutzt zwar seit Jahrzehnten die Fähigkeit seiner Reaktoren, die Leistung an den Stromverbrauch anzupassen. Doch die Zahl solcher Eingriffe nimmt zu. Während sie früher überwiegend für die Anpassung an den Tagesverbrauch eingesetzt wurden, müssen sie heute zusätzlich auf die schwankende Einspeisung von Wind- und Solarstrom reagieren.

Betreiber meldet steigenden Flexibilitätsbedarf

Wie stark sich das Stromsystem verändert hat, zeigen Zahlen aus dem aktuellen Geschäftsbericht von EDF. Demnach produzierten die französischen Kernkraftwerke im vergangenen Jahr rund 373 Terawattstunden Strom. Gleichzeitig wurden die Reaktoren um insgesamt 33 Terawattstunden hoch- oder heruntergeregelt, um auf Schwankungen im Stromsystem zu reagieren.

Auch der Generalinspekteur für nukleare Sicherheit des Unternehmens weist in seinem aktuellen Sicherheitsbericht darauf hin, dass immer mehr Reaktoren ihre Leistung anpassen müssen. Während dies früher nur einen kleineren Teil der Anlagen betraf, sei heute regelmäßig ein deutlich größerer Anteil betroffen.

Negative Strompreise nehmen zu

Die Veränderungen zeigen sich auch an der Strombörse. Immer häufiger fällt der Strompreis zeitweise auf null oder sogar in den negativen Bereich. Produzenten müssen dann Geld bezahlen, damit ihnen jemand den Strom abnimmt.

Laut EDF gab es 2025 insgesamt 735 Stunden mit null oder negativen Strompreisen. Im Vorjahr waren es noch 560 Stunden gewesen. Ursache ist meist eine Kombination aus hoher Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und gleichzeitig geringer Nachfrage. Ein Phänomen, das auch in Deutschland regelmäßig auftritt.

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