Er glaubt, dass Deutschland am 1. Mai kurz vor einem ähnlichen Szenario war. Da Deutschland aber in der Lage war, ziemlich viel Strom zu exportieren – etwa nach Österreich oder in die Schweiz, wo viele Pumpspeicher existieren und den Strom speichern können – konnte das Schlimmste verhindert werden. „Meine Vermutung: Ohne diesen Export wäre es verdammt eng geworden“, so Hirth. Und er warnt: „Wenn es zu einem Blackout wegen zu viel Solareinspeisung kommt, dann ist es mit der Energiewende wohl vorbei“.

Kalifornien zeigt, was zu tun ist

Auch in Kalifornien kam es 2020 zu mehreren Stromausfällen, zum Teil bedingt durch die schwankende Solareinspeisung, die das Netz überforderte. Dort kam noch eine stark gestiegene Nachfrage in den Nachmittags- und Abendstunden hinzu, da eine Hitzewelle den Bedarf nach Klimaanlagen beförderte. Das Netz musste also mit einer hohen Nachfrage in den Abendstunden und einer sehr stark schwankenden Einspeisung gleichzeitig klarkommen. Am Ende waren 800.000 Haushalte zeitweise ohne Strom.

Von Kalifornien kann man aber auch lernen, wie man es besser macht: Seit dem Vorfall im August 2020 hat der US-Bundesstaat den Ausbau der Batteriespeicher massiv vorangetrieben. Seitdem hat sich die Batteriekapazität dort verdreifacht – und der Staat damit die Probleme mit der Systemstabilität in den Griff bekommen. 2025 ist die Zahl der Fälle von negativen Strompreisen erstmals seit Beginn der Energiewende in Kalifornien wieder gesunken.

In Deutschland dürfte es derweil 2026 einen neuen Rekord bei den negativen Strompreisen geben. 2025 fielen die Preise an 575 Stunden im Jahr unter null Euro, 2026 sagen Prognosen, dass es 700 bis 900 Stunden sein könnten.

Verbraucher können von der „Happy Hour“ profitieren

Das mahnen Experten jetzt auch dringend für Deutschland an: Es braucht mehr Speicher, die den Sonnenstrom an Tagen wie Pfingsten oder den 1. Mai aufnehmen und das Netz entlasten können. Aber auch die Erhöhung des Stromverbrauchs insgesamt kann die Lage entschärfen, das heißt: mehr Elektroautos, Wärmepumpen, Rechenzentren und Unternehmen, die elektrische Energien bevorzugen.

Damit insbesondere private Verbraucher wissen, wann sie vom günstigen Solarstrom profitieren können, sind dynamische Stromtarife unverzichtbar. Über eine App können Verbraucher dann ein Signal bekommen, wann mal wieder „Happy Hour“ bei den Strompreisen ist.

Wenn Sie an diesem Pfingstmontag also etwas für das ganze Land tun wollen, dann erhöhen Sie Ihren Stromverbrauch: Jede Ladung in der Waschmaschine hilft.

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