Nach dem jüngsten Treffen der Nuklearen Planungsgruppe des Bündnisses wurde dann im Juni erstmals seit knapp zwei Jahrzehnten wieder eine Erklärung veröffentlicht. Darin bekennen sich die Verbündeten dazu, die nuklearen Fähigkeiten der Nato weiter zu modernisieren, ihre Fähigkeit zur nuklearen Planung zu stärken und die Abschreckung anzupassen.
Braucht es mehr als hundert zusätzliche Sprengköpfe?
In welche Richtung es theoretisch gehen könnte, erklären jedoch Fachleute von Thinktanks. Der US-Nuklearwaffenexperte Robert Peters sagte der dpa, er sei optimistisch, dass die Vereinigten Staaten die nukleare Abschreckung in Europa innerhalb der nächsten 24 Monate stärken würden. Er argumentiert, dass US-Präsident Donald Trump so die Wahrscheinlichkeit eines offenen Konflikts mit Russland verringern könnte. Demnach würde eine nukleare US-Aufrüstung auch nicht im Gegensatz zu Trumps Plänen stehen, künftig einen deutlich geringeren Beitrag zur konventionellen Verteidigung Europas zu leisten.
Aus Sicht von Peters wäre es sinnvoll, zusätzlich 100 bis 150 nichtstrategische US-Atomwaffen in Europa zu stationieren – möglicherweise auch in Polen und Finnland. Dort müssten neue Lagerstätten gebaut werden. Dies sei aber nicht sonderlich schwierig und könne innerhalb weniger Monate geschehen.
„Uns fehlt es eindeutig an einer ausreichenden Zahl von Waffen“, sagte Peters, der für die konservative, den Republikanern nahestehende Heritage Foundation arbeitet. Russland verfüge bei nichtstrategischen Atomwaffen wahrscheinlich über einen Vorsprung von mehr als zehn zu eins.
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Auch Jim Stokes, früherer US-Regierungsbeamter und ehemaliger Nato-Direktor für Nuklearpolitik, hält „neue Arten nuklearer Fähigkeiten“ für sinnvoll. Dies bedeute jedoch nicht, dass die Nato bei der Zahl der Sprengköpfe zahlenmäßig gleichziehen müsse, betonte er. Neue Fähigkeiten könnten unter anderem signalisieren, dass die USA weiterhin fest zu ihrer erweiterten nuklearen Abschreckung und damit zur nuklearen Schutzgarantie für ihre Verbündeten stünden.
Stokes verwies dabei auf die größere Bandbreite nuklearer Systeme, die die Vereinigten Staaten während des Kalten Krieges zusätzlich zu den für Kampfflugzeuge vorgesehenen B61-Bomben in Europa stationiert hatten. So hatten die Bündnispartner 1979 beschlossen, die Nuklearsysteme zu modernisieren und neue Fähigkeiten zu stationieren. Dazu gehörten ballistische Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II und landgestützte Marschflugkörper vom Typ BGM-109G Gryphon.











