Hakeem Jeffries ist Minderheitenführer der Demokraten

Hakeem Jeffries hat seine wichtigste Aufgabe als künftiger Minderheitsführer im Repräsentantenhaus genau beschrieben: Die Demokraten würden sich gegen Versuche der Republikaner stellen, die Reformagenda der Biden-Regierung zurückzudrehen. Sollten es die „MAGA-Republikaner“, also die Trumpisten in der künftigen Mehrheitsfraktion übertreiben, werde er Wege finden, sie in die Schranken zu weisen, sagte er schon vor seiner Wahl per Akklamation am Mittwoch. Jeffries setzt darauf, dass moderate Mitglieder der Republikaner sich nicht vor den Karren Marjorie Taylor Greenes, der Wortführerin der Parteirechten, spannen lassen. Die Mehrheitsverhältnisse sind knapp. Kevin McCarthy, der im Januar, wenn sich der neue Kongress konstituiert, Sprecher werden will, wird im Falle seiner Wahl Mühe haben, seine Fraktion zusammenzuhalten.

Majid Sattar

Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

Jeffries weiß, wie viel Nerven das kosten kann. Als Teil der Fraktionsführung musste auch er – selbst Mitglied des progressiven Fraktionsflügels – immer wieder Kompromisse finden, um linke Rebellen im Zaum zu halten. Jeffries will aber einen Unterschied zu den Republikanern erkennen: Bei den Demokraten komme es zwar immer wieder zu lautstarken Debatten, am Ende aber einige man sich. Dass Jeffries gleich nach der Ankündigung Nancy Pelosis, künftig als einfache Abgeordnete zu dienen, seine Kandidatur für den Fraktionsvorsitz anmeldete, war keine Überraschung. Die 82 Jahre alte scheidende Sprecherin hatte den 30 Jahre jüngeren New Yorker in den vergangenen Jahren gefördert und ihm öffentlichkeitswirksame Aufgaben übertragen. So gehörte er im ersten Impeachment-Verfahren gegen Donald Trump zum Team der Ankläger. Sein Aufstieg ist Teil eines Generationenwechsels bei den Demokraten. An der Fraktionsspitze tritt die Alterskohorte ab, die noch im Zweiten Weltkrieg geboren wurde.

Jeffries ist der erste Afroamerikaner, der die Demokraten in der ersten Kammer führt. Aufgewachsen im rauen Brooklyner Stadtteil Crown Heights, studierte er Verwaltungswissenschaft an der Georgetown University in Washington, später Jura an der New York University. Der Sohn einer Sozialarbeiterin und eines Drogenberaters arbeitete eine Zeit lang als Wirtschaftsanwalt. Sein Ziel war aber stets die Politik: Nach sechs Jahren im Parlament von New York in Albany wurde er 2012 in den Kongress gewählt. Zuvor hatte der verheiratete Vater zweier Kinder mit Hilfe des Parteiestablishments einen demokratischen Amtsinhaber in den Vorwahlen für den Brooklyner Kongressbezirk geschlagen. Damals nannten ihn einige Unterstützer den „Barack Obama von Brooklyn“, was Jeffries aber zurückwies.

Zu McCarthy pflegte er bisher keine vertrauensvolle Beziehung. Derzeit stichelt Jeffries gegen den republikanischen Frontmann: Es sehe so aus, als müsse dieser kämpfen, um die für die Wahl zum Sprecher die nötigen 218 Stimmen zu erhalten.

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