Fraktur: Klimakleber oder Ampelkoalition beklockt

Schon als Autos noch von Explosionen im Motorraum angetrieben wurden, zählte der Satz „Der klebt ja förmlich auf der Straße!“ zum Besten, was sich über einen Kraftwagen sagen ließ. Gemeint war, dass man mit dem gelobten Gefährt in rasender Geschwindigkeit durch die Kurven sausen konnte, ohne aus denselben zu fliegen. Das geht auch mit den modernen Elektromobilen noch, worauf jetzt ein Autovermieter mit dem Werbeslogan hinweist: „Klebt auf der Straße.“ Um danach hinzuzufügen: „Und niemanden stört’s“.

Ui, ui, ui, das ist ganz schön mutig! Denn die Jungs und Mädels von der Letzten Generation verstehen ja gar keinen Spaß, wenn es um ihre heilige Mission geht, der sie sich bis an die Grenze der Selbstverstümmelung verschrieben haben. Es könnte daher gut sein, dass der beworbene Elektro-Bolide, wenn er von den Aktivisten entdeckt wird, so auf der Straße klebt, dass der Fahrer sich für einige Zeit um die nächste Kurve keine Gedanken mehr machen muss.

Farbenfrohe Quittung für Scholz

Wohl in weiser Voraussicht will der Verleiher die Werbung auch nur im Internet laufen lassen. Plakatwände würden vermutlich, kaum dass die Anspielung gekleistert wäre, so aussehen wie der Eingang der FDP-Parteizen­trale, das Grundgesetz-Denkmal am Reichstag oder die Fassade des Willy-Brandt-Hauses. Dort bekam Olaf Scholz, obwohl er gar nicht Hausherr ist, sondern nur für die Dauer seiner Kanzlerschaft geduldeter Untermieter, die farbenfrohe Quittung dafür, die Klimakleber „völlig bekloppt“ genannt zu haben.

Dass Scholz sich derart drastisch äußert, ist äußerst ungewöhnlich. Und in dieser Angelegenheit besonders bemerkenswert. Erstens gibt es keinen Stau, der den Kanzler juckt; er hat ja einen Hubschrauber, den er vielleicht auch öfter nutzen sollte, wenn er nicht öfters von wildfremden Männern geherzt werden mag. Zweitens will die SPD sich mit der Senkung des Wahlalters doch gerade bei der Generation einschleimen, die sich so ums Weltklima sorgt. Und schließlich war Scholz selbst einmal ein Revoluzzer, der den Regierenden Feuer unter dem Schaukelstuhl machen wollte. Das kann er doch nicht vergessen haben, obwohl seine wilde Zeit noch länger zurückliegt als seine Gespräche mit der Warburg Bank.

Was sich liebt, das neckt sich

Wir glauben daher eher, dass Scholz, als er zu den Chaoten auf den Straßen gefragt wurde, gerade an die sich kloppenden Chaoten in seiner Koalition gedacht hatte, deren wiederkehrende Kabbeleien ihm mittlerweile tierisch auf den Keks gehen müssen. Aber vielleicht nehmen Scholz und wir den Knatsch zwischen den Grünen und der FDP auch viel zu ernst. Habeck sagte schließlich zuletzt, die Beziehungen zwischen den Regierungsmitgliedern seien auch über die Parteigrenzen hinweg sehr gut, fast freundschaftlich. Und man weiß doch: Was sich liebt, das neckt sich.

Abgesehen vom Vorwurf des Wortbruchs, der einem in der Hitze des Gefechts um ein Heizungsgesetz schon einmal entfahren kann, hielt der rhetorische Schlagabtausch sich doch in engen Grenzen. Lindner und Habeck nannten sich zum Beispiel wechselseitig nicht einmal Arschgeige (beliebter Kosename unter ranghohen Freunden in der russischen Führung). Auch Invektiven, die sich die FDP früher anhören musste – Umfaller, Gurkentruppe, Leichtmatrosen –, wurden nicht wieder aufgegriffen. Den Vorwurf, er sei kein ehrbarer Kaufmann, ist für Lindner verkraftbar. Auch und gerade von Politikern kann man das Unmögliche nicht verlangen, selbst wenn sie es im Zuge der Heizungswende von uns fordern.

Habeck sollte an Dirty Harry denken

Habeck wiederum sollte bei der FDP-Replik „quick and dirty“ einfach an „Dirty Dancing“ und „Dirty Harry“ denken. Wir kannten Frauen, die den ans Herz gehenden Tanzfilm mit Patrick Swayze mehr als zwanzigmal gesehen haben, und Männer, die bis heute nicht nur den berühmtesten Satz Harry Callahans auswendig können. Callahan ist Kult; Habeck muss sich nur noch stärker an ihm orientieren, wenn er seine alte Popularität zurückgewinnen will. Was würden wir dafür geben, Dirty Robby zu sehen, wie er seine Wärmepumpgun durchlädt und zu Lindner sagt: Go ahead, make my law!

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