Annalena Baerbock im Interview zu Kampfpanzern für die Ukraine

Frau Ministerin, können Sie den Wunsch der Ukraine nach deutschen Leopard-2 Panzern verstehen?

Ja.

Und teilen Sie auch die Vermutung ihres ukrainischen Kollegen Dmytro Kuleba, dass Deutschland und andere westliche Länder sich da hinter einer psychologischen Barriere verschanzen?

Ein Land im Krieg, das jeden Tag auf brutalste Art und Weise erleben muss, dass Freunde, Eltern, Geschwister sterben, wünscht sich zu Recht jegliche Hilfe und militärische Unterstützung, die es geben kann. Koste es was es wolle. Wir wiederum, die das Glück haben, weiterhin in Frieden und Sicherheit zu leben – auch weil die Ukraine unsere europäische Friedensordnung verteidigt –, haben eine doppelte Verantwortung: Diese Hilfe nicht nur zu versprechen, sondern sie auch zu liefern. Und zugleich die Verantwortung, dass sich der Krieg nicht auf andere Länder ausbreitet. Deswegen haben wir uns ganz am Anfang dieses Krieges, obwohl mir selbst das Herz geblutet hat, gegen eine Flugverbotszone ausgesprochen, weil das bedeutet hätte, dass wir selbst zur Kriegspartei gegen Russland geworden wären. Stattdessen haben wir eine radikale Wende in der deutschen Politik vollzogen und liefern seitdem Waffen, auch schwere Waffen, damit die Ukraine sich verteidigen kann. Und wie wichtig diese internationalen Lieferungen sind, haben die letzten Tage und Wochen gezeigt. Hochmoderne westliche Waffensysteme machen einen massiven Unterschied. Unsere Gepard-Panzer, Panzerhaubitzen und Mehrfachraketenwerfer helfen, dass endlich auch besetzte Orte im Osten befreit und zielgerichtet russische Luftstreitkräfte und wichtige russische Stellungen ausgeschaltet werden können.

Würden die Erfolge, die die ukrainischen Streitkräfte gerade erzielen, eine Entscheidung im Blick auf die Lieferung von Panzern zu beeinflussen?

Natürlich. Unsere Waffenlieferungen helfen offensichtlich sehr deutlich, Menschenleben zu retten. Also sollte sich eine menschenrechtsgeleitete Außenpolitik ständig fragen, wie wir durch weitere Lieferungen helfen können, noch mehr Dörfer zu befreien und damit Leben zu retten. Butscha, Mariupol und jetzt die befreiten Orte Kupjansk, Isjum und Balaklija haben uns auf schreckliche Weise gezeigt, welches Leid den Menschen im Osten und Süden der Ukraine droht, wenn sie nicht befreit werden. Menschen werden willkürlich erschossen, vergewaltigt oder verschleppt – egal ob Männer, Frauen, Hochbetagte oder Kleinkinder. Jede weitere Woche unter russischer Besatzung heißt, eine neue Woche weiterer Kriegsverbrechen. Die kommenden Monate sind daher entscheidend.

Sie selbst wären für die Lieferung von Panzern?

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