Al-Qaida-Chef Zawahiri anscheinend von Rakete Hellfire-R9X getötet

Im Februar 2017 wurde Abu al-Khair al-Masri, Nummer zwei der Terrororganisation Al-Qaida und Schwiegersohn Osama Bin Ladens, bei einem Drohnenangriff in der syrischen Provinz Idlib getötet. Er wurde getroffen, als er in einem Auto unterwegs war. Die Bilder, die nach dem Vorfall entstanden, zeigten ein völlig anderes Bild als nach vielen vorigen Raketenangriffen. Das Fahrzeug war noch größtenteils intakt, die Windschutzscheibe ein wenig eingerissen, die Wischer noch an Ort und Stelle. Lediglich im Dach klaffte ein großes Loch, das von einem direkten Treffer kündete.

Nach Informationen des „Wall Street Journal“ war al-Masri, wie nun vermutlich auch Al-Qaida-Chef Aiman al-Zawahiri, von einer Weiterentwicklung der „Hellfire“-Rakete namens R9X getroffen worden. Diese hat nicht wie die herkömmliche „Hellfire“ einen Gefechtskopf aus Sprengstoff, sondern trägt etwa 45 Kilogramm Stahl ins Ziel. Getötet wird also nicht durch eine Explosion, sondern durch die Wucht des Treffers – und durch Waffen, die eher aus dem Nahkampf bekannt sind: Die R9X soll über sechs Klingen verfügen, die an der Seite der Rakete Sekunden vor dem Aufschlag ausgefahren werden, um die Tötung sicherzustellen.

Für die Zielperson sei es, als werde sie von einem vom Himmel fallenden Amboss getroffen, beschrieb ein Behördenmitarbeiter dem „Wall Street Journal“ die Wirkung der R9X. In Geheimdienst- und Militärkreisen werde die Rakete als „Ninja-Bombe“ oder „fliegendes Ginsu“ bezeichnet – eine Anspielung auf Messer, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren im amerikanischen Fernsehen beworben wurden.

Auf dem Balkon getroffen

Medienberichten zufolge wurde die R9X bis dato etwa ein halbes Dutzend Mal eingesetzt, immer um „hochwertige“ Zielpersonen zu treffen. Bestätigungen dafür gibt es allerdings nicht. Während das Pentagon zumindest seine Aktionen bestätigt, jedoch nicht über die eingesetzte Waffe Auskunft gibt, verrät der Auslandsgeheimdienst CIA nichts über seine Missionen.

Die normale „Hellfire“-Rakete kommt meistens zum Einsatz, wenn eine Gruppe von Terroristen oder eine Zielperson getroffen werden soll, die sich mit anderen Kämpfern trifft. Die von Lockheed Martin und Northrop Grumman gefertigte R9X wiederum soll momentan die präferierte Lösung sein, wenn es um gezielte Angriffe geht, bei denen Kollateralschäden vermieden werden sollen. Wie viele R9X die Vereinigten Staaten zur Verfügung haben, ist nicht bekannt.

Die Entwicklung begann unter dem damaligen amerikanischen Präsidenten Barack Obama, der insistierte, dass es eine Lösung geben müsse, bestimmte Zielpersonen zu treffen, ohne größeren Schaden in der direkten Umgebung anzurichten und zufällig anwesende Menschen zu töten. Die weiteren Schritte auf dem Weg zur R9X sind nicht nachvollziehbar, da diese unter größtmöglicher Geheimhaltung vollzogen wurden. Öffentlich gemacht wurde die Existenz der R9X vom „Wall Street Journal“ im Jahr 2019. Nach Informationen amerikanischer Medien sei der Angriff auf al-Masri im Februar 2017 das erste Mal gewesen, dass sie zum Einsatz kam.

Bin Ladens Nachfolger an der Spitze von Al-Qaida sei nun auf dem Balkon eines Hauses in Kabul von zwei von der CIA abgefeuerten „Hellfire“-Raketen getroffen worden, ohne dass andere Menschen zu Schaden gekommen seien, hieß es aus dem Weißen Haus. Das würde für den Einsatz der R9X sprechen, die nach Angaben von Behördenmitarbeitern so präzise sei, dass man den Beifahrer eines Autos treffen könne, ohne dass der Fahrer Schaden nähme.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.