Neue Studie
Schon im Mutterleib kann das Risiko für MS steigen
18.02.2026 – 15:14 UhrLesedauer: 3 Min.
Warum genau Multiple Sklerose entsteht, ist bislang unklar. Eine Studie legt nun nahe, dass der Schwangerschaftsverlauf das Risiko für MS mitbestimmt.
Die Studie erschien kürzlich in der medizinischen Fachzeitschrift „JAMA Neurology“. Sie zeigt, dass ein Kind im späteren Leben anfälliger für Multiple Sklerose (MS) ist, wenn seine Mutter während der Schwangerschaft Diabetes hatte. Auch ein hohes Geburtsgewicht begünstigt laut der Studie MS, wohingegen ein niedriges Geburtsgewicht die Erkrankung eher unwahrscheinlicher werden lässt.
Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, also von Gehirn und Rückenmark. Sie kann im Verlauf zu zunehmenden körperlichen Einschränkungen führen. Die Nervenschäden entstehen vermutlich durch Entzündungen, bei denen das eigene Immunsystem fälschlicherweise Nervengewebe angreift. An der Entstehung der Krankheit können verschiedene Faktoren beteiligt sein, zum Beispiel eine erbliche Veranlagung, Umwelteinflüsse und bestimmte Viren.
Zudem gibt es Hinweise darauf, dass vorgeburtliche Einflüsse das Risiko für Multiple Sklerose mitbestimmen könnten. Welche Rolle ein ungünstiger Schwangerschaftsverlauf für die spätere Erkrankungswahrscheinlichkeit des Kindes spielt, wurde aber noch nicht hinreichend untersucht. Hier setzte das Forschungsteam um Katrin Wolfova vom Presbyterian Hospital in New York seine Studie an.
Dazu analysierte das Team Daten von 1.166.731 zwischen 1967 und 1989 geborenen Menschen (51,2 % männlich, 48,8 % weiblich) aus verschiedenen norwegischen Registern, von denen insgesamt:
Die Studie umfasste eine fast elfjährige Nachbeobachtungszeit (von Januar 2009 bis Dezember 2019). In dieser Zeitspanne trat bei insgesamt 4.295 der teilnehmenden Personen Multiple Sklerose auf. Die Auswertung ergab, dass Kinder mit hohem Geburtsgewicht ein leicht (nämlich um den Faktor 1,13) erhöhtes Erkrankungsrisiko hatten. Umgekehrt bedeutete ein niedriges Geburtsgewicht eine (um den Faktor 0,88) geringere Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken.
Mütterlicher Diabetes führte hingegen (mit einem Faktor von 2,15) zu einem mehr als doppelt so hohen MS-Risiko. Bei Frühgeburten, Plazentaablösungen und Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft ergab sich jedoch kein Zusammenhang mit Multipler Sklerose.
Übergewicht und Diabetes sind bereits als Risikofaktoren für Multiple Sklerose bekannt. Allerdings deuten die Ergebnisse der aktuellen Studie darauf hin, dass die erhöhte Anfälligkeit für MS bereits vor der Geburt entstehen kann. Der Zusammenhang mit einem hohen Geburtsgewicht lässt sich womöglich damit erklären, dass dieses oft zu einer frühen Gewichtszunahme und Adipositas im Kindesalter führt.
