MP Rehlinger über Ford: „So geht man nicht mit uns Saarländern um“ | Regional

Saarbrücken – Ford hat Saarlouis abblitzen lassen. Wut und Ärger im Saarland – auch bei den Politikern, die aber kein Gehör in der amerikanischen Firmenzentrale fanden, dort noch nicht einmal von Konzernchef Jim Farley (60) empfangen wurden.

Jetzt beginnt der politische Versuch, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern, neue zu schaffen.

MP Anke Rehlinger (46, SPD) stellte ihre für heute kurzfristig angesetzte Regierungserklärung unter die Überschrift „Von der Enttäuschung zur Tatkraft – Jetzt erst recht für Arbeitsplätze im Saarland“.

„Wenn das Saarland Tränen hätte, gestern hätte es geweint“, so die Ex-Wirtschaftsministerin und jetzige Landes-Chefin. Der drohende Verlust von 4600 Jobs bei Ford und weiteren 1600 Arbeitsplätzen bei Zuliefer-Betrieben drückt schwer.

Am Mittwoch sprach MP Anke Rehlinger vor Ort mit Ford-Mitarbeitern

Foto: Oliver Dietze/dpa

Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen, der für die Misere, die sich schon unter der gemeinsamen Landesregierung von CDU/SPD angedeutet hatte, verantwortlich ist!

Rehlinger: „Klar ist: Die Beschäftigen trifft keine Schuld. Und sie sind es auch, die den Standort Saarlouis hochattraktiv machen – ob mit oder ohne Ford.“ Das Verhalten von Ford dürfe nicht Schule machen: „So geht man nicht mit Menschen um, so geht man nicht mit einer Region um, so geht man nicht mit uns Saarländerinnen und Saarländern um.“

Die Landesregierung habe nichts unversucht gelassen: „Wir haben Ford Angebote auf den Tisch gelegt im Gegenwert von rund einer Milliarde Euro.“ Vergeblich!

Doch Lösungen nach der Hiobsbotschaft für Saarlouis und letztlich für den Automobil-Standort Saarland könnten teuer werden: Das Ford-Gelände gehört dem Automobilhersteller.

Für einen denkbaren Rückkauf, um die Fläche für einen neuen Jobbringer bereitzustellen, müsste tief in die Tische gegriffen werden. Und Interessenten, die sich dort ansiedeln wollen, sind aktuell nicht bekannt. Für Rehlinger ist klar: Ohne Hilfe aus Brüssel und Berlin geht’s nicht.

Von einem „Zukunftspakt“ und einem Strukturwandel (aber wohin?) ist jetzt die Rede. Rehlinger sieht aber aktuell vor allem Ford in der Verantwortung, „auch über 2025 hinaus eine größtmögliche Zahl von Arbeitsplätzen zu sichern“. Das Land selbst will die Beschäftigten unterstützen, sich für neue Herausforderungen weiterzubilden und zu qualifizieren.

Rund 2500 Ford-Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch gegen die Ford-Entscheidung. MP Anke Rehlinger, die komplette Ministerriege und zahlreiche Politiker reihten sich ein

Rund 2500 Ford-Mitarbeiter demonstrierten am Mittwoch gegen die Ford-Entscheidung. MP Anke Rehlinger, die komplette Ministerriege und zahlreiche Politiker reihten sich ein

Foto: Laszlo Pinter

Die von Europa-Chef am Mittwoch vorgelegten Zukunfts-Szenarien seien zu unkonkret, kritisierte die saarländische Regierungs-Chefin. Hier müsste nachgebessert werden.

Rehlinger spricht schon jetzt von einem „dramatischen Imageschaden“ für Ford, wirft dem Unternehmen vor, den Wandel vom Verbrennermotor hin zu alternativen Antrieben verschlafen zu haben.

Der Blick gehe nun nach vorne. Rehlinger: „Das Saarland hat eins ums andere Mal gezeigt, dass wir Wandel können, dass wir Rückschläge wegstecken können. Wir sind Strukturwandel-Weltmeister!“

Optimistische Worte, denen jetzt Neuansiedlungen folgen müssen, die auch gut bezahlte Jobs bringen!

BILD-Politik-Chef Jan Schäfer „Mangelwirtschaft Deutschland“

Quelle: BILD
22.06.2022

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