Nächste Pleite in der Branche
Deutscher Möbelhersteller ist insolvent
27.08.2026 – 15:49 UhrLesedauer: 2 Min.
Kurz vor dem 100-jährigen Bestehen muss ein Traditionsbetrieb aus Oberfranken die Reißleine ziehen. Es ist nicht der einzige Fall in der Region.
Es hätte ein Jubiläumsjahr werden sollen. 1927 gegründet, wollte die Gruber Polstermöbel GmbH aus dem oberfränkischen Sonnefeld bald ihr 100-jähriges Bestehen feiern – für Ende September ist sogar noch eine Hausmesse angekündigt, samt „exklusiver Einblicke in die aktuellen Kollektionen“. Doch statt zu feiern, geht es für das Familienunternehmen nun ums Überleben.
Die Inhaber Dieter und Ute Wolf haben am 21. August beim Amtsgericht Coburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das Gericht ordnete noch am selben Tag die vorläufige Insolvenzverwaltung an (Aktenzeichen IN 207/26), wie das Fachblatt „Holz-Zentralblatt“ berichtet. Betroffen sind rund 85 Beschäftigte.
- Depot-Insolvenz: Betrieb endet, doch die Marke soll bleiben
- Allgäuer Alpenmilchwerk: Bärenmarke-Produzent ist insolvent
Betrieb läuft vorerst weiter
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht Klaus-Christof Ehrlicher von der Coburger Kanzlei Linse & Ehrlicher. Er verschaffte sich nach eigenen Angaben bereits einen ersten Überblick und betont, der Geschäftsbetrieb solle „vollumfänglich fortgeführt“ werden. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit abgesichert.
Firmenchef Dieter Wolf gibt sich kämpferisch, weiß aber um die Schwierigkeit einer Sanierung. „Die Hoffnung gebe ich nicht auf, vielleicht gibt es ja ein Wunder“, zitiert ihn der „Fränkische Tag“. Bis zuletzt hatte Gruber betont, ausschließlich in Sonnefeld zu fertigen – „Made in Germany“ war das Markenversprechen.
Nicht der einzige Fall im Coburger Land
Gruber ist nicht die einzige Polstermöbelfirma der Region, die derzeit in die Insolvenz rutscht. Fast gleichzeitig hat auch das Traditionsunternehmen Pora im wenige Kilometer entfernten Grub am Forst einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Coburg gestellt – mit 68 Beschäftigten und, wie bei Gruber, mit Ehrlicher als vorläufigem Verwalter. Auch hier läuft der Betrieb zunächst weiter, während eine Investorensuche beginnt. Damit stehen im Coburger Land binnen kurzer Zeit gleich zwei Polsterhersteller mit zusammen über 150 Arbeitsplätzen auf der Kippe.
Polstermöbel besonders unter Druck
Die Fälle fügen sich in ein trübes Gesamtbild. Die deutsche Möbelindustrie hat 2025 zum dritten Mal in Folge weniger umgesetzt – knapp 15,8 Milliarden Euro, der niedrigste Stand seit 2009. Und 2026 begann ähnlich schwach: Im ersten Quartal sank der Branchenumsatz um drei Prozent auf rund 3,8 Milliarden Euro. Während sich die Küchenmöbel-Hersteller mit einem Plus behaupteten, traf es ausgerechnet die Polstermöbel am härtesten – ihr Umsatz brach um neun Prozent auf 221 Millionen Euro ein.
