Versteckte Preiserhöhung
Bewusste Täuschung? Milka ist Mogelpackung des Jahres
21.01.2026 – 11:23 UhrLesedauer: 2 Min.
Weniger Inhalt, deutlich höherer Preis: Die Milka Alpenmilch ist zur „Mogelpackung des Jahres 2025“ gewählt worden. Das Votum fällt so eindeutig aus wie nie – und hat ein rechtliches Nachspiel.
Die Milka Alpenmilch ist die „Mogelpackung des Jahres 2025“. Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherzentrale Hamburg entfielen 66,7 Prozent der Stimmen auf die Schokoladentafel des Konzerns Mondelez. Ein derart klares Ergebnis gab es in der zwölfjährigen Geschichte der Wahl noch nie. Insgesamt beteiligten sich 34.731 Verbraucherinnen und Verbraucher an der Abstimmung – so viele wie seit sechs Jahren nicht mehr.
Auslöser für den Ärger ist eine kaum erkennbare Änderung am Produkt: Anfang 2025 wurde die Tafel dünner, der Inhalt sank von 100 auf 90 Gramm. Gleichzeitig stieg der Preis von 1,49 auf 1,99 Euro. Umgerechnet bedeutet das eine Preiserhöhung von mehr als 48 Prozent. Die Verpackung blieb nahezu unverändert, die geringere Füllmenge ist im Supermarktregal nur schwer zu erkennen. Auch andere Sorten der Marke waren betroffen.
„Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben ihrem Ärger mit großer Deutlichkeit Luft gemacht“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Viele empfänden die Änderung als besonders dreist. Das Ergebnis sei ein Denkzettel, „wie man ihn deutlicher kaum geben kann“.
Der Negativtitel bleibt nicht folgenlos. Im April treffen die Verbraucherzentrale Hamburg und die Mondelez Deutschland GmbH vor dem Gericht in Bremen aufeinander. Dort wird geklärt, ob die Reduzierung der Füllmenge nicht nur verärgert, sondern auch irreführend war. Während das Votum zeigt, wie getäuscht sich viele Kundinnen und Kunden fühlen, soll juristisch geprüft werden, ob eine Täuschung im rechtlichen Sinne vorliegt.
Unabhängig davon fordert die Verbraucherzentrale verbindliche Regeln gegen sogenannte Shrinkflation. Zwar bekennt sich die Bundesregierung zu mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen, konkrete Vorgaben fehlen bislang. Andere Länder sind weiter: In Frankreich und Österreich müssen Händler entsprechende Hinweise am Regal anbringen, in Brasilien sogar direkt auf der Verpackung.
Neben Milka standen vier weitere Produkte zur Wahl, darunter Backmischungen, Müsli und Kaffeesticks. Doch keines kam auch nur annähernd an das Ergebnis der Schokoladentafel heran. Für viele Verbraucher ist sie damit zum Symbol eines Problems geworden, das im Supermarktalltag längst Alltag ist.











