Tränen und Standing Ovations
Michelle Yeoh bewegt Berlinale-Publikum tief
13.02.2026 – 01:55 UhrLesedauer: 3 Min.
Die 76. Berlinale ist eröffnet. Höhepunkt der Gala war die Ehrung der 63-jährigen Schauspielerin aus Malaysia. Was sie über ihren Vater sagte, bewegte das Publikum.
Die 76. Internationalen Filmfestspiele in Berlin sind eröffnet. Festivaldirektorin Tricia Tuttle erklärte die Berlinale am Donnerstagabend offiziell für gestartet. Doch der emotionale Höhepunkt des Abends war die Ehrung von Michelle Yeoh – und ihre sehr persönliche Rede.
Die 63-jährige malaysische Schauspielerin erhielt den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. Auf der Bühne bat sie um einen besonderen Moment und brach dabei in Tränen aus. „Ein Teil von mir ist immer noch das junge Mädchen, das einfach nur seine Eltern stolz machen wollte“, sagte Yeoh. „Ich denke jetzt an sie, an das stille, sehr stille Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben, als ich mir selbst manchmal unsicher war.“
Yeoh ist für Filme wie „Wicked“, „Tiger and Dragon“ oder „Everything Everywhere All at Once“ bekannt. Für letzteren gewann sie 2023 den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Bei der Berlinale-Gala widmete sie ihre Auszeichnung besonders ihrem verstorbenen Vater. „Mein Vater kann diesen Moment nicht mehr miterleben“, sagte sie. Aber er sei immer bei ihr. „Seine Disziplin, seine Beständigkeit, seine Überzeugung, dass alles, was es wert ist, getan zu werden, es auch wert ist, gut getan zu werden. Wenn er mich heute Abend hier stehen sehen könnte, mit diesem Goldenen Bären in den Händen, würde er lächeln, das weiß ich.“
Das Publikum jubelte ihr nach der Rede mit Standing Ovations zu. Regisseur Sean Baker („Anora“) nannte Yeoh in seiner Laudatio die ideale Preisträgerin für Berlin, ein Festival, das seit jeher „kühne Stimmen“ feiere. Sie habe „Anmut in die Gefahr, Intelligenz in die Action und Menschlichkeit ins Spektakel“ gebracht.
Yeoh bedankte sich ihrerseits bei der Berlinale, die sie früh willkommen geheißen habe. Das Festival stehe für mutiges Erzählen, für Filme, die schwierige Fragen stellten und dem Publikum die Antworten zutrauten. In einer Welt, die sich leicht spalten lasse, sei es „leise radikal“, gemeinsam im dunklen Kino zu sitzen und eine Geschichte zu teilen.
Zum Auftakt der Berlinale wurde das Politdrama „No Good Men“ von der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat gezeigt. Der Film, der außer Konkurrenz lief, erzählt von einer Kamerafrau in Kabul, die überzeugt ist, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt. Doch kurz vor der Rückkehr der Taliban kommt sie einem Kollegen auf einem Reportereinsatz näher. Sadat war selbst 2021 aus dem Land evakuiert worden, kam über Frankreich nach Deutschland und lebt in Hamburg.
