Fußball-Weltmeisterschaft

„Was für ein Spiel“: Merz wehrt sich gegen Spott

Aktualisiert am 30.06.2026 – 15:47 UhrLesedauer: 3 Min.

Vor der WM freute sich Bundeskanzler Merz noch auf das Turnier in den USA. (Archivbild) (Quelle: Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa/dpa-bilder)

Vor ein paar Wochen hat der Kanzler noch aufs Finale bei der Fußball-WM gehofft. Jetzt ist es nicht einmal das Achtelfinale geworden. Merz zeigt sich trotzdem stolz – und sorgt damit für Irritationen.

„Trauerspiel“, „Blamage“, „Armutszeugnis für Fußball-Deutschland“: Die Kommentarlage in deutschen Medien nach dem Scheitern der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM war am Tag danach eigentlich eindeutig. Nur einer konnte der Partie gegen Paraguay dann doch irgendwie etwas Gutes abgewinnen: der Bundeskanzler.

„Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel“, schrieb er keine halbe Stunde nach Abpfiff auf X. „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“

Kritik der Opposition: „Realitätsverlust auf Kanzlerniveau“

Damit verfehlte er die Gefühlswelt in Fußball-Deutschland in dieser bitteren Stunde ungefähr so deutlich wie Jonathan Tah bei seinem entscheidenden Elfmeter das Tor. So lasen sich jedenfalls die Kommentare in den sozialen Medien. Die Wortkombination „Welches Spiel“ trendete rasch auf X. Auch die politische Konkurrenz reagierte mit Spott.

„Ich weiß gar nicht, was schlimmer war. Das Spiel oder diese Analyse“, schrieb etwa die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Andere Politiker verbanden ihre Reaktion mit bekannten Kritikpunkten an der Politik der Merz-Regierung. So hieß es auf dem X-Kanal der AfD: „Merz hat sich so sehr daran gewöhnt, die miserable Leistung seiner CDU schönzureden, dass er einfach nicht mehr anders kann.“ Sevim Dagdelen vom Bundesvorstand des BSW diagnostizierte „Realitätsverlust auf Kanzlerniveau. Genau wie bei seiner Politik“.

Merz sah sich veranlasst, dagegenzuhalten. „Erfolge feiern wir gemeinsam. Und in der Niederlage stehen wir zusammen. Das macht uns stark“, konterte er die Kritik auf X. „Wer den Adler auf der Brust trägt, hat unseren Rückhalt verdient und nicht unseren Spott.“

Schlechtes Omen für Reformendspurt?

Für den Kanzler kommt die Niederlage politisch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Seit Monaten beklagt er sich darüber, dass die Deutschen ihr Land schlechtreden und nicht zuversichtlich genug sind. Jetzt kann die Nationalmannschaft noch nicht einmal mehr Elfmeterschießen und fliegt zum dritten Mal in Folge raus, bevor es in die Runde der letzten 16 geht.

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