Es ist der erste Wahlsieg für die CDU, seit Friedrich Merz Kanzler ist. Doch die Freude über den Triumph von Mainz ist gedämpft – und die Ansage an die SPD eindringlich.

Es brandet Applaus auf, als Friedrich Merz mit seinem Wahlsieger Gordon Schnieder zur Pressekonferenz ins Atrium des Konrad-Adenauer-Hauses kommt. Nicht die Journalisten applaudieren, natürlich nicht. Es sind die Mitarbeiter der CDU-Zentrale. Merz scheint es zu gefallen, er lächelt, er guckt sich um, er macht ein überraschtes Gesicht: Guck an! So oft hat er hier als Kanzler noch keinen Wahlsieger feiern können. Genau genommen: noch gar nicht.

„Sie sehen, dass die Stimmung gut ist“, sagt Merz. Den Applaus versucht er trotzdem möglichst kurz zu halten. Er spricht von einem „großen Erfolg“, der vor allem ein Erfolg der rheinland-pfälzischen CDU und von Gordon Schnieder sei. Das Lächeln, das Merz beim Hineinkommen noch im Gesicht hatte, ist da längst verschwunden. Er guckt eher so, als müsse er gleich zum Zahnarzt. Jemand, der einen Sieg öffentlich auskostet und sich darin sonnen möchte, der sieht jedenfalls anders aus.

Es ist ein bemerkenswerter Auftritt für einen Parteichef, der selbst etwas vom rheinland-pfälzischen Siegesglanz gut gebrauchen könnte. Zu große Beliebtheit ist schließlich nicht sein Problem. Die untypische Großzügigkeit der Bundesebene hat einen Grund: Bloß kein Triumphgeheul, lautet das Motto. Sonst, so fürchten sie im Adenauer-Haus, könnte die SPD früher zerbröseln, als die Regierung mit ihren großen Reformen auch nur anfangen kann. Ausgerechnet jetzt, wo das „Zeitfenster“ der Koalition dafür beginnt.

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Quelle: Phoenix

Schon am Vorabend war das der Ton, den die CDU in den Fernsehsendungen angestimmt hat. Generalsekretär Carsten Linnemann war einer der Ersten, die nach 18 Uhr vor die Kameras mussten. Auf die Frage, ob es im Bund jetzt schwieriger oder einfacher werde mit der nun geschwächten SPD, versuchte er so zu tun, als habe Rheinland-Pfalz mit Deutschland so viel zu tun wie die Atacama-Wüste.

„Das waren zum Glück Landesthemen“, sagte Linnemann. Das sei auch gut so. „Und wir reden hier über Bundesthemen. Wir reden über Reformen, die nötig sind. Und da sind wir uns mit der SPD einig.“ Ob er sich sicher sei, hakte die Moderatorin nach, ob wirklich weiterhin an einem Strang gezogen werde? „Ja“, sagte Linnemann. Mehr nicht. So, als wolle er sich jetzt bloß nicht verplappern. Denn wer kann das schon wissen bei einer SPD in tiefster Krise.

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