Für mich kommt zuerst der Inhalt. Mir geht es vor allem um unsere teils radikalen Ideen, unsere Reformvorschläge aus der Mitte. Die Verpackung ist der zweite Schritt.
Wie wollen Sie den Liberalismus wieder cool machen, nicht zuletzt für junge Menschen?
Indem wir mit genau diesen unseren Inhalten eine Politik anbieten, die sich an junge Menschen richtet. Und nicht eine, die sie beleidigt, wie es mancher in der CDU teilweise tut, der ihnen unterstellt, faul zu sein. Wir müssen gerade jungen Menschen zeigen, dass sich ihre Arbeit lohnt. Etwa indem der Staat ihnen nicht gleich zum Start des Berufslebens 50 Prozent ihres Einkommens wegnimmt. Für mich sind nicht die jungen Menschen faul, für mich ist die Politik faul, wenn wir immer nur über Umverteilung, mehr Steuern und Regulierung sprechen und nicht darüber, wie man sich hierzulande ein gutes Leben aufbaut.
Kann die FDP überhaupt noch cool werden – oder ist sie nicht vielleicht zu altbacken, zu tradiert? Kann das, was Sie gerade beschreiben, eine neue Partei wie etwa die Neos in Österreich nicht besser leisten?
Nein, das sehe ich anders. Ja, es stimmt, auch wir haben uns in der Vergangenheit zu sehr im Klein-Klein verloren, haben nicht immer das große Ganze im Blick gehabt. Genau das tun wir jetzt. Wir machen jetzt einen Neustart und werden damit, davon bin ich überzeugt, auch erfolgreich sein. Im Übrigen zeigt das Beispiel D66 in den Niederlanden, das Sie eben ansprachen, dass auch altbekannte liberale Parteien Wahlen gewinnen können. Diesen Anspruch haben wir auch.
Herr Dürr, vielen Dank für dieses Gespräch.
