Autobranche in der Krise

Mercedes droht offenbar mit Werkschließung in Deutschland

05.09.2026 – 08:20 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine Mercedes S-Klasse steht auf einem Güterzug (Archivbild): Die Produktion in Deutschland wird dem Konzern wohl zu teuer. (Quelle: IMAGO/Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofit/imago)

Ein schwelender Konflikt bei Mercedes spitzt sich zu. Der Vorstand soll Arbeitnehmervertreter mit dem Bau eines neuen Werks in Osteuropa unter Druck gesetzt haben.

Mercedes soll Arbeitnehmervertretern mit der Schließung eines deutschen Produktionswerks gedroht haben, falls der Betriebsrat einen umfassenden Sparplan nicht mitträgt. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf mehrere mit der Sache vertraute Insider. Demnach erwägt der Vorstand, die Produktion in Osteuropa auszubauen und im Gegenzug einen Standort in Deutschland zu schließen.

Beschlossen sei bisher nichts, weder im Vorstand noch im Aufsichtsrat, heißt es in dem Bericht. Mercedes wollte sich zu den Informationen nicht äußern und verwies auf laufende Gespräche und Verhandlungen. Ein Dementi blieb laut „Wirtschaftswoche“ aus.

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Hintergrund ist ein seit Wochen schwelender Konflikt um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte. Der Vorstand fordert dem Bericht zufolge, dass Beschäftigte künftig fünf Stunden länger arbeiten – ohne Lohnausgleich. Zudem stünden alle Entgeltbestandteile und Sonderzahlungen auf dem Prüfstand, offenbar auch Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Vorstand sieht Standortnachteil

Ein Insider bezeichnete das Vorgehen der Unternehmensführung in der „Wirtschaftswoche“ als „extreme Drohung“. Ein anderer sprach von „Erpressung“. Nach Darstellung der Quellen soll ein Mercedes-Vorstand vor mehreren Betriebsräten gesagt haben, dass ein neues Werk in Osteuropa gebaut werde, wenn die Arbeitnehmerseite nicht helfe, die Lohnkosten in Deutschland deutlich zu senken. Dann sei ein deutsches Produktionswerk überflüssig.

Luftaufnahme des Mercedes-Benz-Werks Untertürkheim in Stuttgart (Archivbild): Setzt der Konzern küftig auf Produktion in Osteuropa? (Quelle: IMAGO/Eibner-Pressefoto/imago)

Welche Standorte betroffen sein könnten, ist unklar. Im Fall einer Eskalation könnten laut Bericht auch Werke betroffen sein, die Komponenten an Produktionsstandorte liefern. Dazu zählen in Deutschland etwa Untertürkheim und Hamburg.

Mercedes verweist seit Längerem auf hohe Kosten in Deutschland. In einem Brief an die Beschäftigten hatte der Vorstand im Juni geschrieben, die Werkskapazität hierzulande liege „deutlich über dem Bedarf“. Außerdem sei der Krankenstand „im internationalen Vergleich teils um ein Vielfaches höher, die Zahl der jährlichen Arbeitstage niedriger“.

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