Mehr Waffen in Umlauf

Kriminelle Banden werden deutlich brutaler

Aktualisiert am 15.09.2026 – 11:24 UhrLesedauer: 3 Min.

„Null Toleranz gegenüber denen, die an der Sucht verdienen“, fordert der Bundesdrogenbeauftragte, Hendrik Streeck (rechts). (Quelle: Annette Riedl/dpa/dpa-bilder)

Explosionen und Schüsse im Raum Köln sind laut Bundeskriminalamt nur ein Beispiel für die wachsende Brutalität krimineller Banden. Die Zahl der Ermittlungsverfahren steigt deutlich an.

Kriminelle Banden in Deutschland greifen immer häufiger zu exzessiver Gewalt, um ihre Opfer einzuschüchtern und Machtansprüche durchzusetzen – auch gegenüber rivalisierenden Gruppen. Im aktuellen Bundeslagebild Organisierte Kriminalität (OK) werden für das vergangene Jahr 20 vollendete Tötungsdelikte aufgeführt sowie 100 Fälle von vollendeter Körperverletzung. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im OK-Bereich 13 vollendete Tötungsdelikte und 77 Fälle von Körperverletzung.

„Insbesondere zur Durchsetzung von Interessen und Machtansprüchen sowie in Konfliktsituationen zeigen OK-Gruppierungen eine erhöhte Gewaltbereitschaft und -anwendung“, heißt es in dem Lagebild, das die Situation im Jahr 2025 abbildet.

Sogar 13-Jährige werden für Gewalttaten rekrutiert

Als ein Beispiel für die Brutalität, mit der viele Täter inzwischen vorgehen, nennt das vom Bundeskriminalamt (BKA) erstellte Lagebild eine Serie von Explosionen und Schussabgaben im Großraum Köln seit Sommer 2024, die auf den Diebstahl einer Rauschgiftlieferung zurückzuführen sind. Zugenommen haben demnach zuletzt auch die Fälle, in denen Gewalttaten wie eine Dienstleistung bestellt oder durch eigens dafür rekrutierte Minderjährige verübt werden. Da sich dieses vergleichsweise neue Phänomen der Anwerbung der Täter über soziale Medien „sehr dynamisch entwickelt“, sei ein fortlaufender Austausch mit den Service-Providern notwendig, hält das BKA fest. Unter den angeheuerten Tätern seien teils sogar 13-Jährige.

  • Keine neuen Bunker: Was Dobrindt für den Bevölkerungsschutz plant
  • Innenminister warnt: Müssen jeden Tag mit einem Anschlag rechnen

Auftraggeber und derjenige, der die Tat ausführt, begegnen sich dabei oft überhaupt nicht. Solche kriminellen Dienstleistungen funktionierten nach dem Prinzip „Einer plant, einer bezahlt, einer schlägt zu“, sagt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Schüsse im öffentlichen Raum verunsichern die Bevölkerung sehr. Häufig, aber nicht immer geht es dabei um Organisierte Kriminalität. (Archivbild) (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-bilder)

Zum dritten Mal in Folge stieg 2025 der Anteil der Tatverdächtigen, die bewaffnet waren. Er lag im vergangenen Jahr bei 5,8 Prozent. In 30,3 Prozent der OK-Verfahren, die von den Dienststellen aus Bund und Ländern gemeldet wurden, stieß die Polizei auf bewaffnete Tatverdächtige. Im Vorjahr war dies in 28,4 Prozent der Ermittlungsverfahren der Fall gewesen. Drei Viertel der insgesamt 556 im OK-Kontext aufgefundenen Waffen waren illegale Waffen. Das heißt, die Tatverdächtigen besaßen dafür keine waffenrechtliche Erlaubnis.

Kriminelle posieren für Social Media

„Während Abschottung lange ein Kennzeichen der OK war, inszenieren insbesondere jüngere kriminelle Akteure – die sogenannte „Gen-Z-Mafia“ Macht, Status und Gewalt zunehmend in den sozialen Medien“, teilt das BKA mit.

Share.
Exit mobile version