Nach mehr als 160 Jahren
Zwickauer Mauritius-Brauerei vor dem Verkauf
25.08.2026 – 15:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Die insolvente Traditionsbrauerei Mauritius aus Zwickau schöpft neue Hoffnung: Ein Übernahmeangebot liegt vor, Anfang September entscheiden die Gläubiger.
Für die insolvente Mauritius-Brauerei in Zwickau zeichnet sich eine mögliche Rettung ab. Rund fünf Monate nach dem Insolvenzantrag liegt ein Übernahmeangebot vor, wie die „Freie Presse“ zuerst berichtete. Über den Verkauf soll eine Gläubigerversammlung am 1. September entscheiden, erwarteter Preis: mindestens drei Millionen Euro.
Insolvenzverwalter Henry Girbig, Fachanwalt für Insolvenzrecht von der Chemnitzer Kanzlei Tiefenbacher, gab sich schon zu Beginn des Verfahrens zuversichtlich: „Ich bin guter Hoffnung, das Unternehmen retten zu können.“ Die Brauerei verfüge über einen gesunden Unternehmenskern, es gebe keine Außenstände bei Steuern oder Sozialversicherungen. Der Geschäftsbetrieb wird mit den 51 Beschäftigten fortgeführt. Den Insolvenzantrag hatte die Brauerei im März 2026 beim Amtsgericht Chemnitz gestellt.
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Deutsche trinken weniger Bier
Der Fall reiht sich in eine schwierige Lage der gesamten Branche ein. In Sachsen ist der Bierabsatz nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zuletzt stärker geschrumpft als im Bundesdurchschnitt: Im vergangenen Jahr wurden im Freistaat rund 620 Millionen Liter abgesetzt – ein Rückgang um etwa 6,9 Prozent. Bundesweit schrumpfte der Biermarkt im selben Zeitraum um sechs Prozent, so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung.
Steffen Dittmar, Präsident des Sächsischen Brauerbundes, sprach von einer „dramatischen“ Lage: Mindestlohn, Energiekosten und Bürokratie seien zusätzliche Belastungen für die Betriebe. Wie die „B.Z.“ berichtete, belasteten Mauritius zudem teure Langfristverträge, über die Rohstoffe zu hohen Preisen eingekauft wurden.
Bekannt vor allem im Osten
Vor allem in Ostdeutschland sind die Biere der Privatbrauerei bekannt, vom Pilsner über den Dunklen Bock bis hin zu einem „Trabi“-Dosenbier. Mauritius produziert auch Handelsmarken für große Supermarktketten und Discounter – etwa „Sachsengold“ für Netto, „Kosmonaut Helles“ für Rewe oder „Perlenbacher“ für Lidl.
Die Brauerei blickt nach eigenen Angaben auf eine mehr als 160-jährige Geschichte zurück; die Brautradition am Standort reicht bis ins Jahr 1859 zurück. 2018 übernahmen die Stuttgarter Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co. KG und der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Dierig – zuvor Geschäftsführer der Oettinger Brauerei – das Unternehmen. Seit 2023 hält Dierig rund 85 Prozent der Anteile, den Rest hält die GmbH selbst. Nun hängt die Zukunft der Brauerei von der Entscheidung der Gläubiger Anfang September ab.