Rudel ausgelöscht
Massenvergiftung von Wölfen in Italien
Aktualisiert am 19.04.2026 – 08:51 UhrLesedauer: 2 Min.
Im Abruzzen-Nationalpark sind innerhalb weniger Tage zehn Wölfe tot gefunden worden. Die Behörden gehen von einer Vergiftung aus.
Am Mittwoch wurden im italienischen Nationalpark Abruzzen, Latium und Molise zehn vergiftete Wölfe entdeckt. Je fünf Tiere starben nahe den Städten Pescasseroli und Alfedena. „Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Wölfe vergiftet wurden. Wir arbeiten daran, genau festzustellen, welche Art von Gift verwendet wurde“, sagte Luciano D’Angelo, leitender Staatsanwalt der Region.
„Wölfe und Bären sind Symbole dieses Territoriums, und wir nehmen Tötungen wie diese sehr ernst. Wir haben Ermittlungen wegen der illegalen Tötung von Wildtieren aufgenommen“, so der Staatsanwalt laut dem britischen „Telegraph“.
Nach Angaben von Parkdirektor Luciano Sammarone ist der Vorfall in Alfedena besonders dramatisch. „Es geht nicht nur um den Verlust einzelner Tiere. In Alfedena sieht es so aus, als hätten wir das ganze Rudel verloren“, sagte er der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“.
Sammarone warnte vor den Folgen für die Natur im Schutzgebiet. „Das wird weitreichende Konsequenzen für das Ökosystem haben. Vergiftung ist eine grauenhafte Art zu töten, weil sie so wahllos ist. Sie kann Wölfe töten, aber auch Füchse, andere Wildtiere und Haushunde.“
Der Nationalpark rund um Pescasseroli gilt als beliebtes Ziel für Wanderer, Mountainbiker und Naturfreunde.
Wölfe waren in Italien bis in die 1970er-Jahre beinahe ausgerottet. Danach wurden sie unter Schutz gestellt. Inzwischen leben Schätzungen zufolge wieder rund 3.500 Wölfe in freier Wildbahn in den Apenninen und den Alpen.
EU-weit wird der Bestand auf etwa 20.000 Tiere geschätzt. Besonders viele Wölfe leben in Italien, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Polen und Spanien. Mit dem wachsenden Bestand haben allerdings auch die Konflikte mit Schaf-, Ziegen- und Milchbauern zugenommen.
Die Debatte über den Umgang mit Wölfen ist auch auf europäischer Ebene zuletzt schärfer geworden. Das Europäische Parlament stufte den Schutzstatus der Tiere im vergangenen Jahr von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herab. Dafür stimmten in Straßburg 371 Abgeordnete, 162 votierten dagegen, 37 enthielten sich.
Umweltverbände kritisierten die Entscheidung. Léa Badoz von Eurogroup for Animals nannte sie „einen traurigen Tag für die Biodiversität und Wildtiere“. Die Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus sagte, die Kampagne gegen den strengen Schutz ignoriere wissenschaftliche Erkenntnisse und greife bewährte Gesetzgebung ohne klaren Nutzen an.
Unterstützt wurde die Lockerung auch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, deren Pony Dolly 2022 von einem Wolf gerissen wurde. In Deutschland brachte die Bundesregierung im Dezember zudem ein Gesetz auf den Weg, das eine reguläre Bejagung von Wölfen zur Bestandssteuerung ermöglichen soll. Nach Angaben des Umweltministeriums gibt es dort 209 bekannte Wolfsrudel.
