Studie mit Typ-2-Diabetikern

Männer haben nach Diagnose wohl andere Risiken als Frauen


26.08.2026 – 12:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Im Wartezimmer einer Arztpraxis (Symbolbild): Typ-2-Diabetes ist bei Männern verbreiteter als bei Frauen. (Quelle: ABRAHAM GONZALEZ FERNANDEZ/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Eine Studie begleitet fast 29.000 Menschen nach der Diabetesdiagnose. Das Fazit: Typische Folgeerkrankungen treten bei den Geschlechtern unterschiedlich oft auf.

Typ-2-Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper nicht mehr ausreichend auf Insulin reagiert. Dieses Hormon hilft den Zellen dabei, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Funktioniert diese Aufnahme nicht mehr richtig, steigt der Blutzuckerspiegel dauerhaft an und kann langfristig Blutgefäße, Nerven und Organe schädigen.

Menschen mit Diabetes entwickeln daher nicht selten weitere Erkrankungen – etwa Bluthochdruck, Herzprobleme und Nierenschäden. Außerdem haben sie ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme bis hin zu Depressionen.

Doch gilt das für Frauen und Männer gleichermaßen? Eine neue Studie, erschienen im Fachjournal „PLOS Medicine“, deutet auf wichtige Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin.

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Fast 29.000 Krankenakten über Jahre ausgewertet

Die Forscher analysierten Daten von 28.720 Menschen aus britischen Hausarzt- und Krankenhausakten. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten zwischen 2010 und 2020 erstmals die Diagnose Typ-2-Diabetes. Bei der Diabetesdiagnose waren die Männer im Schnitt 54, die Frauen im Schnitt 56 Jahre alt.

Das Team wollte wissen: Welche Krankheiten wurden bei den Betroffenen nach dem Diabetes in den Akten dokumentiert? Um das herauszufinden, begleiteten sie die Studienteilnehmer über mehrere Jahre – typischerweise 6,8 Jahre lang. Die eine Hälfte von ihnen wurde länger, die andere Hälfte kürzer beobachtet. Erfasst wurden Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schweres Nierenversagen sowie psychische Leiden wie Angststörungen, Depressionen und sogenannte somatoforme Störungen. Das sind psychische Erkrankungen, bei denen körperliche Beschwerden im Zentrum stehen.

Psychische Folgen bei Frauen häufiger

Insgesamt entwickelten 39 Prozent der Diabetikerinnen und Diabetiker mindestens eine dieser Folgeerkrankungen. Am häufigsten wurde bei beiden Geschlechtern nach der Diabetesdiagnose Bluthochdruck festgestellt: bei 20,2 Prozent der Frauen und 21,1 Prozent der Männer. Bei anderen Folgeerkrankungen zeigte sich ein klarer Unterschied:

  • Männer entwickelten in allen Altersgruppen häufiger Herz-Kreislauf- oder schwere Nierenkomplikationen. Diese traten bei ihnen zudem früher auf.
  • Frauen erhielten in jeder Altersgruppe öfter eine psychische Diagnose als gleichaltrige Männer.

Auch zeigten die Daten: Unter den 16- bis 39-jährigen Frauen war die Wahrscheinlichkeit für eine spätere Diagnose von Angststörungen, Depression oder somatoformen Beschwerden am höchsten.

Was bedeutet das für Patienten?

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, kann sie nur Zusammenhänge zeigen. Aus ihr lässt sich nicht ableiten, was genau hinter den deutlichen Unterschieden zwischen Frauen und Männern steckt. Die Befunde beweisen also nicht, dass das Geschlecht selbst die Ursache ist. Denkbar ist auch, dass andere Faktoren eine Rolle spielen. So nutzten Frauen im Durchschnitt deutlich häufiger medizinische Leistungen und erhielten mehr Dauermedikamente. Dadurch könnten Ärzte psychische Erkrankungen bei ihnen schlicht öfter erkennen. Umgekehrt könnten Männer Beschwerden seltener ansprechen oder medizinische Hilfe später in Anspruch nehmen. Die Forscher nennen solche Unterschiede im Verhalten ausdrücklich als mögliche Erklärung.

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