Comedian und ARD-Anstalt äußern sich

Dieter Nuhr und ein Witz über ermordete Frauen


Aktualisiert am 26.06.2026 – 17:56 UhrLesedauer: 5 Min.

Dieter Nuhr: Der Comedian hat mit einem neuen ARD-Programm Diskussionen ausgelöst. (Quelle: IMAGO)

Wenn Dieter Nuhr Witze macht, ist Aufregung programmiert. Bei seinem jüngsten Auftritt spricht er über Gewalt gegen Frauen – und zieht mit einer Pointe Kritik auf sich.

Seit 15 Jahren erreicht Dieter Nuhr ein Millionenpublikum. Der Comedian hat eine Vielzahl an Preisen erhalten – und sich in dieser Zeit ebenso viel Kritik für seine Pointen und Positionen eingehandelt. Provokationen und die Aufregung darum ziehen sich wie ein roter Faden durch Dieter Nuhrs Karriere.

Jüngstes Beispiel: Eine Pointe in seiner jüngsten Sendung „Nuhr im Ersten XXL“, die erstmals am 18. Juni im ARD-Hauptprogramm lief. Seit Tagen ist sie Gesprächsthema in den sozialen Medien. Nuhr, so heißt es in vielen Beiträgen auf Instagram, benutze getötete Frauen für einen Witz und befeuere mit seinen Aussagen Hass gegen Frauen.

Im Kern dreht sich die Kritik um ein rund fünfminütiges Stand-up des Comedians. Dieter Nuhr zitiert zu Beginn aus der „taz“ und der „Süddeutschen Zeitung“. In beiden Texten beschäftigen sich Autorinnen mit der Frage, wie das Zusammenleben mit Männern schadenfrei gelingen kann. Frauen müssten sich „statistisch gesehen“ vor Gewalt fürchten, heißt es in der „SZ“. Und in der „taz“ ist der Fall von Collien Fernandes Anlass für einen Meinungsbeitrag: „Überall ist der Hass der Männer gegen uns Frauen sichtbar“, steht dort im Anlauftext. Trotzdem wolle die Autorin „ein Zusammenleben nicht aufgeben“.

Dieter Nuhr kritisiert die Beiträge als zu pauschal, zu wenig differenziert. Sie entlarvten seiner Meinung nach nur die mangelnden Statistikkompetenzen der Autorinnen. Dass eine der Autorinnen erwägt, sich gegen eine Beziehung mit einem Mann zu entscheiden, weil dieser sie „statistisch betrachtet gut möglich erniedrigt, schlägt oder sogar tötet“, scheint Dieter Nuhr besonders aufzuregen. „Was ist das für ein Irrsinn?“, fragt er sein ARD-Publikum.

„Femizide werden nicht ernst genommen“

Dann kommt der wohl umstrittenste, in den sozialen Medien verbreitete Teil seines Auftritts: „Morde an Frauen werden im Wesentlichen von Männern verübt, das bedeutet aber nicht, dass Männer ständig Frauen töten.“ Es gebe etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr, verweist Nuhr auf die Statistik und sagt: „Natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage. Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer: Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null.“

Die Pointe, die Dieter Nuhr daraus zieht, lautet: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einmal kennenlernt.“ Das sei eine Täter-Opfer-Umkehr, hieß es prompt, die Empörung ist seitdem groß.

Die Realität ist, dass Gewalt gegen Frauen häufig in Beziehungen stattfindet – die angegriffenen Frauen ihren Partner also sehr wohl schon „kennengelernt“ haben. „Nuhr lässt diesen Raum verschwinden“, sagt der Influencer Elias Naeb in einem Instagram-Video. Auch die Journalistin Yasmin Oshin weist darauf hin: „Frauen werden selten von Männern ermordet, die sie gerade eben in einer Bar kennengelernt haben. Femizide passieren viel öfter im nahen Umfeld.“ Das Bundeskriminalamt listet für 2024 133 weibliche Opfer auf, die durch ihren Partner getötet wurden. Das entspricht zwei bis drei getöteten Frauen pro Woche.

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