Sechs Tornados im Einsatz
Kampfjets über Hamburg: Luftwaffe probt den Ernstfall
09.06.2026 – 11:09 UhrLesedauer: 2 Min.
Wo sonst Ferienflieger starten, heben diese Woche Tornados ab: Die Luftwaffe der Bundeswehr übt am Hamburger Flughafen den Ernstfall.
Sie stehen aufgereiht vor dem Hangar H am Südtor des Hamburg Airports: sechs Tornado-Kampfflugzeuge der Bundeswehr. Ihre gläsernen Cockpit-Hauben stehen offen, in der Luft liegt Kerosingeruch. Die Piloten haben ihre Maschinen gerade über Leitern verlassen. Die Leitwerke der Jets tragen eine aufgemalte Deutschlandfahne und das Signet des Geschwaders: den Kopf eines aggressiven schwarzen Panthers mit der Zahl 51.
Kurz zuvor hatten die Maschinen das Flughafengelände im Formationsflug überquert. Anschließend setzten sie nacheinander auf der Ost-West-Piste auf und bremsten unter lautem Einsatz des Umkehrschubs ab.
Trainingsflüge in Hamburg noch bis Freitag
Bis Freitag bleiben die Tornados in Hamburg. „Das taktische Luftwaffengeschwader 51 ‚Immelmann‘ hat für diese Woche den Trainings- und Übungsflugbetrieb hier an den Flughafen Hamburg verlegt“, sagt Oberst Jens Schumacher, der Kommodore des Geschwaders.
In den nächsten Tagen starten und landen zwischen 9 und 18 Uhr bis zu vier Tornados am Hamburg Airport. Von hier aus fliegen die Besatzungen ihre Routineeinsätze. Ziel sei es, die Zusammenarbeit mit zivilen Einrichtungen zu stärken und die Verteidigungsfähigkeit im Bündnisfall zu üben, so die offizielle Begründung.
Im Ernstfall: Militärbasen stehen unter Druck
Im Ernstfall stehen militärische Basen im Fokus möglicher Angriffe. Der Druck auf feste Standorte hat zugenommen. Deshalb müssen Streitkräfte in der Lage sein, auf alternative Standorte auszuweichen. Der Kommodore glaubt, mit Einsätzen, die nicht auf rein militärischen Fliegerhorsten beginnen, auch „die Abschreckungsfähigkeit zu stärken“. Die Nato nennt das Konzept Agile Combat Employment (ACE). Dadurch werden die Streitkräfte widerstandsfähiger und weniger berechenbar.
Damit das gelingt, müssen alle Abläufe auch an einem zivilen Flughafen funktionieren – parallel zum regulären Flugbetrieb. Für die Wartung und Versorgung der sechs Flugzeuge hat die Luftwaffe 80 weitere Soldatinnen und Soldaten vom Standort Jagel bei Schleswig nach Hamburg in den Hangar H verlegt.
Dort üben sie nun logistische Abläufe und suchen Antworten auf praktische Fragen: Wo lassen sich die Flugzeuge am besten betanken? Welche Ersatz- und Verschleißteile werden benötigt? Und wie groß muss die Minimalbesetzung des Bodenpersonals sein?
Alle sechs Tornados, die derzeit in Hamburg im Einsatz sind, fliegen ohne scharfe Munition. Die Lasten unter den Flügeln wirken zwar wie Bomben, seien aber Zusatztanks und Störsender, bestätigt Oberst Schumacher auf Nachfrage der Hamburger Regionalredaktion von t-online.
