Kritik an der Entwicklung gibt es seit Jahren. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Marc Tüngler, sagte dem „Handelsblatt“: „Ein Zehn-Millionen-Euro-Gehalt ist das neue Normal für Dax-CEOs.“ Die Vergütungsspirale kenne derzeit nur einen Trend nach oben.
Zugleich wächst das Ungleichgewicht zu den Beschäftigten. Während die CEO-Gehälter um knapp 13 Prozent stiegen, legten die Löhne in Deutschland 2025 nominal nur um 4,2 Prozent zu. Tüngler spricht von einer zunehmenden „Amerikanisierung“ der Vergütungssysteme. Gemeint ist damit vor allem, die Kopplung an den Aktienkurs, durch die sich die Gehälter der Vorstandschefs immer weiter von denen der übrigen Vorstände und Belegschaften entfernen.
Auffällig ist auch der Abstand zwischen den Vergütungen männlicher und weiblicher Dax-Chefs. Die bestbezahlte Vorstandsvorsitzende war erneut Merck-Chefin Belen Garijo mit 8,6 Millionen Euro. Die übrigen drei Frauen an der Spitze eines Dax-Konzerns blieben deutlich darunter: Helen Giza von Fresenius Medical Care erhielt 3,58 Millionen Euro, Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp 3,5 Millionen Euro und Daimler-Truck-Chefin Karin Radström 3,2 Millionen Euro. Alle drei lagen damit klar unter dem Durchschnitt von 6,9 Millionen Euro.
Vergütungsexperte Sebastian Pacher sieht in den steigenden Bezügen auch eine Folge wachsender Anforderungen an die Unternehmenslenker. „Wir erleben gerade, dass Unternehmen unter hohem Druck neu ausgerichtet werden“, sagte er dem „Handelsblatt“. Die Verantwortung liege zunehmend bei den Vorstandschefs – und spiegele sich in deren Bezahlung wider. Den geringeren Vergütungen von Dax-Chefinnen zufolge steckt dahinter nach seiner Einschätzung allerdings kein geschlechtsspezifischer Effekt, sondern vor allem die Größe der geführten Unternehmen, deren Komplexität und die Dauer in der jeweiligen Rolle.











