Lohn erst ab dem zweiten Krankheitstag?
„Ich finde das widerlich“
Aktualisiert am 05.03.2026 – 13:57 UhrLesedauer: 4 Min.
Angesichts des hohen Krankenstands in Deutschland schlägt Arbeitgeberpräsident Dulger die Einführung eines Karenztages vor, an dem Beschäftigte keinen Lohn erhalten sollen. In der Politik erntet er dafür scharfe Kritik.
„Ich kann dem Dulger nur sagen, geh doch nach drüben“, sagte Linken-Chef Jan van Aken t-online. „Wir sind hier nicht in den USA: Wer krank ist, soll zu Hause bleiben – ohne Lohnkürzung. Das gilt für Schnösel wie den Arbeitgeberpräsidenten genauso wie für die hart arbeitende Mehrheit hier im Land. Ich finde das widerlich, ihm fällt nichts ein, außer ständig auf die hart arbeitenden Menschen einzudreschen.“ Die Zahl der Krankheitstage, so van Aken, steige vor allem durch schlechte Arbeitsbedingungen.
Auch bei der regierenden SPD hält man wenig von Dulgers Idee. „Es zeugt von einem verqueren Bild von den Beschäftigten, wenn ihnen pro forma missbräuchlich Krankmeldungen unterstellt werden“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Sebastian Roloff, t-online. Es helfe niemandem, wenn sich Beschäftigte krank zur Arbeit schleppten und dort Kollegen ansteckten. „Und den ‚verlorenen‘ Tag am Ende anzufügen, ist Augenwischerei, denn zum Glück sind nur die wenigsten Menschen so lange krank, dass sie ins Krankengeld rutschen.“
Dulger hatte im Interview mit t-online die hohen Krankenstände in Deutschland beklagt. Diese seien „ein echtes Problem“. „Alles, was Missbrauch erschwert, ist deshalb hilfreich“, sagte er. „Eine Idee wäre die Einführung eines Karenztages, sodass der Arbeitgeber den Lohn im Krankheitsfall erst ab dem zweiten Krankheitstag zahlt. Der so am Anfang ‚verlorene‘ Tag könnte dann hinten drangehängt werden.“
Der Vorteil eines solchen Systems, wie es auch in anderen europäischen Ländern existiert: „Diejenigen, die wirklich krank sind und die lange ausfallen, bekämen dieselben Leistungen wie jetzt“, so Dulger. Ein solches Modell würde dazu beitragen, die Zahl „sehr kurzfristiger Fehlzeiten“ weiter zu reduzieren. Der Fokus würde dadurch stärker auf tatsächlich notwendige Ausfallzeiten gelenkt.
Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Ländern mit ähnlichen Regeln. In Schweden etwa gibt es am ersten Krankheitstag keinen Lohn, ab dem zweiten zahlt der Arbeitgeber etwa 80 Prozent des Lohns weiter. In Spanien und Großbritannien gibt es sogar die ersten drei Krankheitstage lang keinen Lohn.










