Löscharbeiten wohl über Jahre
Behörden bekommen dieses Feuer nicht aus
Aktualisiert am 24.09.2026 – 16:32 UhrLesedauer: 3 Min.
Seit Wochen brennt es in Thüringen, Anwohner fürchten um ihre Gesundheit. Und ein Ende des Feuers ist nicht in Sicht.
Rauchschwaden ziehen durch den Meuselwitzer Ortsteil Falkenhain. Es riecht nach Feuer, die Sicht ist eingetrübt. So beschreiben besorgte Anwohner des 10.000-Einwohner-Ortes Meuselwitz in Thüringen die Auswirkungen eines großen Feuers, das sich wohl auf Jahre nicht löschen lassen wird.
Der Brand war im Juni auf einer stillgelegten Fläche des ehemaligen Tagebaus Rusendorf ausgebrochen. Als wahrscheinlichste Ursache gilt, dass eine herunterhängende Stromleitung die Vegetation in Brand setzte. Während die Einsatzkräfte die Flammen an der Oberfläche eindämmen und schließlich löschen konnten, breitete sich das Feuer währenddessen auf das Kohletrübebecken aus und entzündete dort kohlehaltige Ablagerungen. Sie stammen aus der Zeit der Brikettfabrik Phönix, die im Jahr 2000 stillgelegt worden war. Dort fielen bei der Brikettherstellung große Mengen an Kohletrübe an. Dieses Gemisch aus Wasser, Kohlenstaub und Kohlepartikeln wurde über Jahrzehnte hinweg in das Becken eingespült.
Lage nach Großbrand offenbar stabilisiert
Die auf mehrere Meter unter der Erde aufgeschichteten brennenden Kohlerückstände lassen sich kaum löschen. Bernd Sablotny, Geschäftsführer der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), sagte dem MDR im August, die Löschmaßnahmen könnten sich „zwei bis vier Jahre“ hinziehen. Eine Sprecherin bestätigte t-online am Donnerstag auf eine erneute Nachfrage hin den Zeithorizont: „Es bleibt bei der Angabe.“ Allerdings habe sich die Lage vor Ort „stabilisiert“ und die Rauch- und Geruchsbelästigung sei minimiert worden. Nach LMBV-Angaben fliegen täglich Drohnen mit Wärmebildkameras über das Gelände, Schlauch- und Sprinkleranlagen sind rund um die Uhr in Betrieb.
Um den Brand aber tatsächlich löschen zu können, ist ein immenser Aufwand nötig. Geplant ist eine vier Kilometer lange Wasserleitung vom Restloch Zipsendorf zum Restloch Rusendorf. Der Auftrag an das bauausführende Unternehmen sei bereits erteilt. Parallel würden extra zwei Brunnen gebohrt, mit denen täglich bis zu 500 Kubikmeter Wasser gefördert werden könnten, um das Trinkwassernetz zu entlasten. Das sind 500.000 Liter jeden Tag – ungefähr so viel, wie in 2.800 handelsübliche Badewannen passt.
Riesen-Aufwand wegen Feuer: Bis zu 60 Lkw-Ladungen jeden Tag
Anschließend soll der Brandbereich dauerhaft mit einer etwa zwei Meter mächtigen Schicht mit dafür geeignetem Material abgedeckt werden. Dem Schwelbrand soll der Sauerstoff ausgehen – das Feuer erlischt, so der Plan. 30 bis 60 Lkw-Ladungen am Tag dürften nötig sein, über einen Zeitraum von mehreren Jahren, sagte LMBV-Chef Sablotny im August. Die LMBV-Sprecherin teilte t-online zum aktuellen Zeitplan mit, dass Anfang des kommenden Jahres mit der Abdeckung der Fläche begonnen werden solle. Die Kosten für die Löscharbeiten sind immens: Allein für das laufende Jahr liegen sie bei rund fünf Millionen Euro.
