Der Standpunkt des Trios: Die Regierung liefert nicht, hat die Menschen vergessen. Sie hingegen wollen zeigen, dass sie sich kümmern, indem sie an den Türen nach den Problemen der Menschen fragen. „Die letzten Jahre haben die Grünen den Ministerpräsidenten gestellt, aber für uns als junge Menschen hat sich nichts verändert“, sagt Bohnen. „Wir fühlen uns abgehängt und nicht gesehen.“ Sie erzählt, dass viele junge Menschen die Wehrpflicht bewege. „Die Sorge davor, verpflichtet zu werden, an die Waffe zu müssen, ist riesig.“ Für ältere Menschen seien vor allem Themen wie „niedrige Renten, zusammengesparter ÖPNV und geschlossene Kliniken“ wichtig.
Die Liste ihrer Versprechen ist dementsprechend lang: kostenlose Kita, kostenlose Klassenfahrten, Gratis-Deutschlandticket für Studenten, Azubis, Schüler, kostenloses Mittagessen für Schüler und Kindergartenkinder. Außerdem sollen die Mieten runter, Großvermieter enteignet werden, keine Krankenhäuser mehr geschlossen werden.
Es ist das Programm einer Oppositionspartei. Fragt man nach der Finanzierung, verweist Bohnen auf die Erbschaftsteuer und die Vermögensteuer, die die Linken planen. Auch auf Bundesebene führt die Partei diese beiden Steuern gern als Finanzierungsgrundlage für ihre Ideen an. Mitregieren möchte die Partei in Baden-Württemberg ohnehin nicht. „Ich denke nicht, dass die Grünen daran Interesse hätten – Özdemir hat ja kürzlich erst vor einem Linksrutsch gewarnt“, sagt Bohnen und fügt hinzu: „Ich denke auch, wir können als Opposition gut auf unsere Themen aufmerksam machen.“
Eine Zeit lang sah es auch so aus, als würde das gut funktionieren. In Umfragen vor der Landtagswahl lag die Linke bei sieben bis acht Prozent, der Einzug in den Landtag also in greifbarer Nähe. Erst in den letzten zwei Wochen vor der Wahl korrigierte die Zahl sich – entgegen dem bundesweiten Aufwärtstrend – plötzlich nach unten, liegt nun bei sechs Prozent, 5,5 Prozent.
Woher kommt der Abwärtstrend? Es liegt nahe, dass es an der Zuspitzung zwischen den Spitzenkandidaten Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) liegt. Die CDU führte die meiste Zeit die Umfragen mit deutlichem Abstand an, erst zuletzt hatte Özdemir aufgeholt, die Grünen liegen in der jüngsten Umfrage sogar gleichauf mit den Christdemokraten. Soll heißen: Wähler, die vor Kurzem noch bei den Linken das Kreuz gemacht hätten, tendieren nun zu den Grünen, um zu verhindern, dass die CDU bald den Ministerpräsidenten stellt. Dafür spricht, dass auch die SPD in den Umfragen etwas eingebüßt hat.
