Lebensmittel werden teurer, Rabatte gelten oft nur per App. Ramona Pop fordert mehr Transparenz bei Preisen, ein staatliches Vergleichsportal – und politische Schritte gegen versteckte Preiserhöhungen.

Butter, Brot, Käse – der Wocheneinkauf belastet viele Haushalte spürbar stärker als noch vor wenigen Jahren. Verbraucher klagen über steigende Preise, Mogelpackungen und zahlreiche Supermarkt-Apps, die oft wenig bringen. Viele sehnen sich zudem nach den Printprospekten zurück, mit denen sie am Küchentisch auch offline die Preise der Händler vergleichen konnten. Die Politik könnte hier helfen – tut es jedoch nicht. Im Gespräch mit t-online fordert Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, daher mehr Transparenz bei Lebensmittelpreisen – und ein staatliches Preisvergleichsportal für Lebensmittel.

t-online: Wann haben Sie zuletzt selbst an der Supermarktkasse gedacht: „Das ist spürbar teurer geworden?“

Ramona Pop: Da geht es mir wie vielen anderen auch. Beim Wocheneinkauf merke ich, dass gerade die Preise für Grundnahrungsmittel – Käse, Brot, Eier – in den letzten Jahren deutlich angestiegen sind. Das trifft natürlich insbesondere die Menschen hart, die ohnehin schon mit einem geringen Budget auskommen müssen. Eine gute Ernährung sollte keine Frage des Geldbeutels sein.

Was wissen Sie darüber, wie Verbraucherinnen und Verbraucher darauf reagieren?

In den Verbraucherzentralen häufen sich die Beschwerden über die hohen Lebensmittelpreise. Und auch die versteckten Preiserhöhungen, also Mogelpackungen, wo die Füllmenge geringer oder die Produktqualität schlechter wird, sind ein großes Ärgernis. Aus aktuellen Umfragen wissen wir, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf inzwischen bewusst einschränken – einfach, weil sie die hohen Preise so nicht mehr stemmen können.

Früher konnten Verbraucher mithilfe wöchentlicher Prospekte Preise vergleichen. Viele Händler haben diese aber abgeschafft. Erschwert das den Preisvergleich zusätzlich?

Auf jeden Fall. Einige Supermärkte verlagern Prospekte und Angebote ins Digitale oder direkt in die eigenen Apps. Am Regal finden sich immer häufiger zwei Preise: der Preis mit und der ohne App. Aber nicht alle Menschen können oder wollen Supermarkt-Apps nutzen. Das schließt Menschen von Angeboten aus. Wir sagen ganz klar: Rabatte müssen für alle gelten und nicht nur für die App-Nutzer. Um den Preisvergleich im Supermarkt zu erleichtern, fordern wir ein unabhängiges Vergleichsportal für Lebensmittelpreise.

Wir richten diese Frage regelmäßig an die Politik. Technisch wäre solch ein Online-Preisvergleich leicht umgesetzt. Die Supermärkte erfassen ihre Preise ohnehin digital. Was fehlt, ist ein unabhängiges Portal, in dem diese Daten zusammengeführt werden. Das würde Verbraucherinnen und Verbrauchern den Preisvergleich deutlich erleichtern.

Würde das zu mehr Wettbewerb und faireren Preisen führen?

Mehr Transparenz schafft Wettbewerb. Supermärkte reagieren meist schnell auf Konkurrenten: Sinkt etwa der Preis einer Eigenmarke-Butter in einem Markt, ziehen andere Händler oft zügig nach. Aber ein Preisvergleichsportal allein führt noch nicht zu faireren Preisen. Denn in Deutschland ist die Preisbildung bei Lebensmitteln eine Blackbox.

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