Pflege-Streit
Langes Ringen um geplante Pflegereform
Aktualisiert am 30.09.2026 – 00:15 UhrLesedauer: 3 Min.
Bis zuletzt verhandelten Union und SPD noch über die geplante Pflegereform. Der Handlungsdruck ist groß. Drohende weitere Beitragserhöhungen will die Regierung verhindern.
Union und SPD haben wenige Stunden vor den geplanten Kabinettsberatungen weiter über die Pflegereform gerungen. Es blieb zunächst unklar, ob der Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) wie geplant am Mittwoch im Bundeskabinett beraten werden kann.
Die Gespräche dauerten über den gesamten Dienstag an, hieß es in der Koalition. Bereits seit dem Wochenende hatte die Koalition in verschiedenen Runden verhandelt. Linnemann hatte auf der Basis einer Vorlage seiner Vorgängerin Nina Warken (CDU) einen Entwurf vorgelegt, mit dem insbesondere weitere Beitragserhöhungen in der Pflege im kommenden Jahr verhindert werden sollen. Die SPD lehnt „ein reines Kürzungspaket“ ab, wie Fraktionschef Matthias Miersch (SPD) schon am Samstag erklärt hatte.
Klingbeil: „Kein reines Einsparpaket“
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) bekräftigte am Nachmittag in Mainz: „Das darf jetzt nicht ein reines Einsparpaket sein, sondern wir brauchen auch strukturelle Veränderungen.“ Er habe schon vor Monaten deutlich gemacht, dass es einen Ausgleich zwischen Privatversicherten und der gesetzlichen Pflegeversicherung geben müsse. „Da ist die SPD klar, das wollen wir jetzt in den Verhandlungen auch erreichen.“
Dabei hoffe er auf eine schnelle Einigung, sagte Klingbeil. „Wir wissen, dass wir Reformen in der Pflege brauchen.“ Die Arbeiten daran liefen „mit Hochdruck“.
Doch für die Union sind die SPD-Forderungen schwer akzeptabel, wie sich in den vergangenen Tagen zeigte. Linnemann lehnte eine Kostenbeteiligung der privaten Versicherung an der gesetzlichen Pflegeversicherung als „Griff in fremde Kassen“ ab. Auch NRW-Gesundheitsminister und CDU-Vize Karl-Josef Laumann – prominenter Vertreter des CDU-Sozialflügels – warnte im Deutschlandfunk vor einem Aus für das duale System von gesetzlicher und privater Versicherung.
Auf dem Tisch lagen hingegen Forderungen Linnemanns an Klingbeil: Das Bundesfinanzministerium müsse mehr als fünf Milliarden Euro Corona-Hilfen an die Pflegeversicherung zurückzahlen, hatte Linnemann am Montag der dpa gesagt.
Unterschiedliche Befürworter für Pflegedeckel
Widerstreitende Interessen hinsichtlich der Kosten für die Pflegeheimbewohner und -bewohnerinnen erschwerten die Kompromisssuche. Die SPD brachte den Vorschlag eines Pflegedeckels in die Verhandlungen ein. Sie will auf die vielfach kritisierten, immer weiter steigenden Eigenanteile bei den Kosten fürs Heim reagieren. Warkens Entwurf umfasste hingegen spürbare Einschnitte bei den Zuschüssen, die die Betroffenen für diese Kosten heute erhalten.
Allerdings würden durch den von der SPD vorgeschlagenen 1.500-Euro-Deckel bei den reinen Pflegekosten zunächst nur wenige hundert Euro gespart werden – bei Kosten für einen Heimplatz von im Bundesschnitt 3.364 Euro im Monat für Betroffene oder Angehörige. Unter Berufung darauf hatte Linnemann auch auf diesen Vorschlag ablehnend reagiert.
Der Präsident des Landkreistags, Achim Brötel (CDU), nannte einen solchen Deckel hingegen einen möglichen „wichtigen Teil der Lösung“. Schon heute seien die Landkreise faktisch die zweite Pflegekasse. Weil immer mehr Menschen künftig Pflege bräuchten, drohten ihnen langfristig jährliche Kosten von zwölf Milliarden Euro. Die Kreise springen mit ihren Sozialämtern ein, wenn Pflegebedürftige und ihre Angehörigen die anfallenden Heimkosten nicht tragen können.