Glutenunverträglichkeit

Müssen Menschen mit Zöliakie Angst vorm Küssen haben?


16.05.2026 – 07:47 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Mann und eine Frau, Stirn an Stirn (Symbolbild): Ob nach einem glutenreichen Snack Gluten im Speichel enthalten und durch einen Kuss übertragbar ist, hat eine Studie untersucht. (Quelle: andresr/getty-images-bilder)

Wer Zöliakie hat, muss Gluten strikt meiden, da selbst kleinste Mengen davon Probleme bereiten. Lesen Sie, was das in der Liebe und im Alltag bedeutet.

Rund einer von 250 Menschen in Deutschland hat eine chronische Darmerkrankung namens Zöliakie. Die Betroffenen vertragen kein Gluten: Jeder Verzehr dieses auch Klebereiweiß genannten Proteins löst in ihrem Dünndarm eine Immunreaktion aus. Das kann die Darmschleimhaut mit der Zeit schädigen und die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen. Typische Folgen sind unter anderem ständiger Durchfall, Blähungen, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Blutarmut.

Schon gewusst?

Gluten ist ein natürlicher Bestandteil vieler Getreidesorten wie Weizen, Gerste, Dinkel und Roggen.

Die einzige Möglichkeit, die Erkrankung in den Griff zu bekommen, ist eine strikte, lebenslange glutenfreie Ernährung: Dadurch klingen die Entzündungen im Dünndarm und somit auch die Beschwerden normalerweise ab. Bei Erwachsenen mit stark geschädigter Dünndarmschleimhaut kann es allerdings mehrere Jahre dauern, bis ihr Dünndarm vollständig geheilt ist.

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Küssen verboten? Nicht wegen Zöliakie

Daher überrascht es nicht, dass viele Betroffene Angst vorm Küssen haben: Sie befürchten, dass es dadurch zu einer Übertragung von Gluten kommen könnte, die ihren Zustand wieder verschlimmert. Laut einer aktuellen Studie scheint diese Sorge jedoch unbegründet zu sein. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Gastroenterology“.

Demnach war bei jeder Testperson ohne Zöliakie, die zehn stark glutenhaltige Cracker verzehrt hatte, Gluten im Speichel nachweisbar. Wenn diese Personen nach dem Verzehr Personen mit Zöliakie küssten, kam es jedoch zu keiner nennenswerten Übertragung von Gluten:

  • Lag zwischen dem Glutenverzehr und dem Kuss eine fünfminütige Wartezeit, überstieg der Glutengehalt im Speichel der geküssten Person nur in einem von zehn Fällen den als glutenfrei definierten Grenzwert.
  • Wenn eine Testperson nach dem Glutenverzehr 120 Milliliter Wasser trank und dann sofort eine Person mit Zöliakie küsste, überstieg der Glutengehalt im Speichel der geküssten Person diesen Grenzwert nie.

In allen Fällen war die Glutenkonzentration im Speichel der geküssten Personen so gering, dass das Forschungsteam das Risiko für Menschen mit Zöliakie als vernachlässigbar einschätzt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann vor dem Küssen ein Glas Wasser trinken (beziehungsweise seinem Gegenüber eines anbieten): Damit lässt sich das Risiko noch weiter verringern.

Lebensmittelauswahl bleibt herausfordernd

Im Alltag, vor allem beim Einkaufen, erfordert eine Zöliakie hingegen ständig erhöhte Vorsicht. Denn ohne konsequente Meidung von Gluten kann die Erkrankung zu verschiedenen Komplikationen führen, darunter Mangelernährung, Knochenschwund, Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten, Laktoseintoleranz, Erkrankungen des Nervensystems und Krebserkrankungen wie Darmlymphome und Dünndarmkrebs.

Betroffene wissen zwar in der Regel genau, welche Getreidesorten Gluten enthalten und dass daraus hergestellte Speisen und Getränke für sie ungeeignet sind. Doch viele Lebensmittel (beispielsweise Fruchtjoghurt, Getränke oder Schokolade) können auch verstecktes Gluten enthalten oder (wie etwa handelsüblicher Hafer) durch Kontakt mit glutenhaltigem Getreide verunreinigt sein. Wer glutenfrei leben möchte, muss also immer die Angaben der Inhaltsstoffe von Lebensmitteln genau lesen und auf entsprechende Warnhinweise achten.

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