Krankschreibung ab Tag eins
„Es grenzt an Irrsinn“: Ärzte kritisieren Regierung scharf
Aktualisiert am 02.07.2026 – 14:38 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Bundesregierung will deutlich schärfere Regeln für Krankschreibungen. Kritik an den Plänen lässt nicht lange auf sich warten. Hausärzte und Opposition warnen vor mehr Bürokratie und längeren Wartezeiten.
Die Pläne der Bundesregierung, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine verpflichtende Vorlage der Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen, stoßen bei Opposition, Hausärzten, Krankenkassen und Gewerkschaften auf heftige Kritik. Die Arbeitgeber hingegen begrüßen das Vorhaben, das Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gemeinsam mit den Spitzen der Koalition am Donnerstag in Berlin vorstellte.
Grüne: Pläne sind unsinnig und unverschämt
„Die Koalition macht ausgerechnet das Gegenteil dessen, was unser Gesundheitswesen jetzt braucht“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Janosch Dahmen, t-online. „Statt Hausarztpraxen zu entlasten und Patientinnen und Patienten besser zu steuern, schafft sie Millionen zusätzlicher Arztkontakte für reine Bescheinigungen“, monierte Dahmen.
Die Beschlüsse würden mehr Bürokratie, längere Wartezeiten und weniger Zeit für die Menschen bedeuten, die ärztliche Hilfe wirklich benötigten, so Dahmen. „Wer so Politik macht, belastet ausgerechnet die ambulante Versorgung, die schon heute unter erheblichem finanziellem und personellem Druck steht.“

Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, sprach von einer „unsinnigen Maßnahme“ und einer „Unverschämtheit“. Mit dem Vorhaben würde die schwarz-rote Koalition den Beschäftigten das „Misstrauen“ aussprechen, so Dröge im Interview mit dem TV-Sender „Phoenix“.
Auch die Linken verurteilten die Pläne. „Große Worte über einen starken Sozialstaat und dann Angriffe auf kranke Beschäftigte und unnötige Bürokratie“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion Ateş Gürpınar t-online. „Wer die telefonische Krankschreibung abschafft und Menschen vom ersten Krankheitstag an unter Generalverdacht stellt, stärkt nicht die Wirtschaft, sondern den Druck auf Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.“

Kassenärzte: „Unverhohlenes Misstrauen“ gegenüber den Bürgern
Die Kassenärzte reagierten empört auf die Pläne. „Für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist das, was die Regierungsparteien vereinbart haben, eine Zumutung, die an Unverschämtheit grenzt“, teilten die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen, Stephan Hofmeister und Sibylle Steiner, t-online mit. Die nun vorgestellten Vorhaben seien ein „unverhohlenes Misstrauen“ gegenüber den Bürgern, die „zu übervollen Praxen, einem Wust an zusätzlicher Bürokratie und einem enormen Zeitaufwand führen, der zulasten der eigentlichen Patientenversorgung gehen wird“.










