Fälle häufen sich
Nach Explosionen: Kriminologin sieht gefährliche Entwicklung
17.09.2026 – 18:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Mehrere Explosionen beschäftigen derzeit die Ermittler in Frankfurt. Eine Kriminologin sieht darin Anzeichen für eine neue Form organisierter Kriminalität.
Nach mehreren Explosionen in Frankfurt warnt die Kriminologin Britta Bannenberg vor einer neuen Dimension der Gewalt im organisierten Drogenhandel. Zwar müssten die strafrechtlichen Ermittlungen im Einzelnen abgewartet werden. Taten wie die Explosionen in Frankfurt und Offenbach legten aber „ganz stark den Verdacht nahe, dass wir es mit dem organisierten Drogenhandel zu tun haben“, sagte die Professorin der Deutschen Presse-Agentur.
Allein in Frankfurt prüfen die Ermittler derzeit einen möglichen Zusammenhang zwischen fünf ähnlich gelagerten Taten. Zuletzt waren am Donnerstagmorgen Sprengsätze an einem Geschäft an der Berger Straße sowie an einer Shisha-Bar auf der Zeil explodiert. Verletzt wurde niemand. Ein 17-jähriger Niederländer wurde in der Nähe des Tatorts an der Berger Straße festgenommen.
Polizei und Staatsanwaltschaft hatten zuvor mitgeteilt, erste Erkenntnisse deuteten auf mögliche Bezüge zur Organisierten Kriminalität hin. Die Frankfurter Kriminalpolizei wird bei den Ermittlungen vom Hessischen Landeskriminalamt unterstützt.
Kriminologin: Auffällige Ziele bei den Anschlägen
Bannenberg zufolge nimmt die Gewalt im organisierten Drogenhandel neue Formen an. Im Zuge des zunehmenden Kokainhandels in Europa komme es zu Auseinandersetzungen zwischen Banden und kriminellen Gruppen, die teilweise mit erheblicher Gewalt ausgetragen würden.
Auffällig seien unter anderem Angriffe auf Bars, Cafés, Shisha-Bars und Wettbüros. Neben Sprengstoff- und Brandanschlägen gebe es auch Angriffe mit Schusswaffen. Gerade Attacken im öffentlichen Raum seien eine besorgniserregende Entwicklung.

Bei dem als „Violence as a Service“ (VaaS) bezeichneten Phänomen werben kriminelle Netzwerke meist junge Menschen an, die gegen Bezahlung Gewalttaten begehen. Auch bei den jüngsten Fällen in Frankfurt spielt VaaS nach Angaben des Landeskriminalamts eine mögliche Rolle.
Minderjährige über soziale Medien angeworben
Ein Beispiel dafür könnte auch das Alter der zuletzt festgenommenen Verdächtigen sein: Nach einer Explosion in Frankfurt-Sachsenhausen wurde ein 15-Jähriger festgenommen. Nach den Explosionen vom Donnerstag nahm die Polizei den 17-jährigen Niederländer fest.
Neu sei, dass inzwischen auch Schusswaffen im öffentlichen Raum eingesetzt und Sprengstoffanschläge nachts zu bestimmten Zeiten verübt würden, sagte Bannenberg. „Es liegt eben nahe, den Blick in die Niederlande oder nach Schweden zu richten oder eben auch in andere europäische Länder, wo diese Form von Auseinandersetzungen im Rahmen der organisierten Kriminalität schon länger ein Problem darstellen.“ Das habe nun offenbar auch Deutschland erreicht – insbesondere Hessen.
Nach Medienberichten über mögliche Verdachtsfälle in diesem Kriminalitätsbereich zeichnen sich Schwerpunkte im Rhein-Main-Gebiet und besonders im Raum Frankfurt ab. Hinweise gebe es aber auch im Raum Gießen und in Kassel. „Wir haben überall ein Aufpoppen solcher Verdachtstaten“, sagte Bannenberg.