Ifo-Konjunkturprognose
Deutlich höhere Inflation wegen Ölkrise erwartet
12.03.2026 – 10:30 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Krieg im Iran führt zu steigenden Energiepreisen. Das wiederum hat auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Wie schwerwiegend die sind, hat jetzt das Ifo-Institut ausgerechnet.
Der Krieg im Nahen Osten dürfte nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland erheblich verlangsamen. In ihrer aktuellen Prognose vom Donnerstag gehen die Konjunkturforscher davon aus, dass das Wirtschaftswachstum um mindestens 0,2 Prozentpunkte geringer ausfällt als in einem Szenario ohne den Krieg und ohne Auswirkungen auf den Ölmarkt. Dauert die Krise länger an, könnte die Differenz sogar 0,4 Prozentpunkte betragen.
Ursprünglich hatten die Ökonomen um Ifo-Präsident Clemens Fuest mit einem Wachstum von 1,0 Prozent im laufenden Jahr gerechnet. Jetzt erwarten sie nur noch ein Plus von 0,8 Prozent, für das kommende Jahr prognostizieren sie ein Wachstum von 1,2 Prozent. Bei längerfristigen Auswirkungen auf den Energiemarkt dürfte das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 nur noch um 0,6 Prozent zulegen, 2027 wären es dann voraussichtlich 0,8 Prozent.
Die schlechte Nachricht, nicht zuletzt für Verbraucher, so Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser: „Wir gehen derzeit von einem Anstieg der Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent aus, wenn die Öl- und Gaspreise innerhalb der nächsten Wochen wieder sinken. Sollten die Preise für fossile Energie allerdings für einen längeren Zeitraum stark erhöht auf dem heutigen Niveau bleiben, könnte die Inflation in der Spitze bis auf knapp 3 Prozent steigen.“ Zuletzt war die Inflationsrate im Januar auf 2,1 Prozent gesunken. Im Jahresschnitt für 2025 lag die Teuerung bei 2,2 Prozent.
Die gute Nachricht: Gänzlich abwürgen kann auch der Krieg in Nahost die deutsche Konjunkturbelebung nicht. „Ungeachtet des Energiepreisschocks dürfte sich die Erholung in Deutschland im weiteren Verlauf dieses Jahres fortsetzen, insbesondere weil staatliche Mehrausgaben für Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung ausgeweitet und zunehmend nachfragewirksam werden“, so Wollmershäuser.
Allerdings sei dieser Aufschwung von einer eher untypischen Natur. Denn: Anders als für Deutschlands Wirtschaft üblich, wird das Wachstum nicht vom Exportgeschäft getragen. Im Gegenteil seien die Warenausfuhren weiter gesunken, obwohl die Wirtschaftsleistung auf den deutschen Absatzmärkten erneut zugenommen habe, heißt es vom Ifo-Institut. „Die Erholung wurde vielmehr durch inländische Impulse eingeleitet, die im Zusammenhang mit der zunehmend expansiven Ausrichtung der Fiskalpolitik stehen.“
Auf dem deutschen Arbeitsmarkt kommt der abgebremste Aufschwung mit Verzögerung an. In allen Ifo-Szenarien liegt die erwartete Arbeitslosenquote 2027 unter der für 2026. „Wann hier die Trendwende kommt, hängt wiederum von der Länge der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost und den damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten ab“, sagte Wollmershäuser. Auch die Zahl der Erwerbstätigen werde in diesem Jahr noch einmal sinken und erst im kommenden Jahr im Zuge der Erholung zunehmen.