Kreuzfahrt im Ausnahmezustand

„Wirklich beängstigend“: Passagiere sitzen im Kriegsgebiet fest


03.03.2026 – 12:37 UhrLesedauer: 2 Min.

„Mein Schiff 5“ im Hafen von Doha (Archivbild): Wegen der Eskalation im Nahen Osten sitzen Tausende Passagiere der TUI-Kreuzfahrtschiffe fest. (Quelle: Naushad/imago-images-bilder)

Raketenalarm im Hafen, geschlossene Außendecks und Kriegsschiffe vor der Küste: Tausende Deutsche sitzen auf Tui-Schiffen im Persischen Golf fest. Nun laufen erste Rückholflüge an.

Eigentlich sollte es eine entspannte Orient-Kreuzfahrt werden. Als die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran begann, lag die „Mein Schiff 4“ im Hafen von Abu Dhabi. „Das war wirklich beängstigend“, sagte ein Passagier der „Zeit“. Er habe Raketen am Himmel gesehen, kurz darauf habe es geknallt, der Boden habe vibriert.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zitiert eine Bordfotografin, die von einem lauten Geräusch sprach. Wenig später sei Rauch im Hafengebiet aufgestiegen – nur rund einen Kilometer vom Schiff entfernt. Die Passagiere mussten sich in die unteren Decks begeben, Außenbereiche und Balkone wurden gesperrt.

Auch auf der „Mein Schiff 5“, die im Hafen von Doha liegt, änderte sich der Alltag abrupt. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, Gäste und Crew seien angewiesen worden, sich im Schiffsinneren aufzuhalten und Fenster zu meiden. In Sichtweite liege ein Kriegsschiff, über dem Hafen kreisten Militärhubschrauber. „Wir wissen, dass wir im Kriegsgebiet sind“, zitierte die Zeitung einen deutschen Urlauber.

Während draußen militärische Ziele angegriffen wurden, lief der Betrieb an Bord weiter. Restaurants waren geöffnet, Kinderprogramme fanden statt, in Bars wurden Getränke ausgeschenkt. Von Urlaubsstimmung sei dennoch keine Rede mehr. Ein Passagier sagte, man habe die Woche innerlich bereits abgeschrieben.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands sind rund 30.000 Reisende in der Golfregion betroffen. Beide Schiffe gehören zur Reederei TUI Cruises aus Hamburg, pro Schiff befinden sich jeweils mehr als 2.500 Gäste an Bord. Die Straße von Hormus gilt als blockiert, zahlreiche Lufträume sind gesperrt.

Nun zeichnet sich zumindest bei der Rückreise Bewegung ab. Ein erstes Flugzeug der Airline Emirates ist nach Angaben des Frankfurter Flughafens von Dubai nach Frankfurt unterwegs. Die Vereinigten Arabischen Emirate bieten Sonderflüge für gestrandete Passagiere an.

Tui-Chef Sebastian Ebel kündigte an, man wolle mit Partner-Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways sowie mit eigenen Maschinen gestrandete Gäste zurückholen. Rund 10.000 Tui-Kunden seien betroffen. Wie lange die Rückholung dauert, hänge von der Sicherheitslage ab und sei derzeit nicht seriös vorherzusagen.

Auch das Auswärtige Amt bereitet Charterflüge für besonders schutzbedürftige Personen vor. Reiseverbände raten Betroffenen, in ihren Unterkünften zu bleiben und nicht auf eigene Faust zum Flughafen aufzubrechen.

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