Nierenkrankheit bleibt oft unbemerkt

Dieser Blutwert kann bei Herzpatienten trügerisch sein


08.09.2026 – 15:24 UhrLesedauer: 2 Min.

Mann beim Arzt (Symbolbild): Ein normaler Kreatininwert schließt eine beginnende Nierenerkrankung nicht sicher aus. (Quelle: andresr/getty-images-bilder)

Eine chronische Nierenkrankheit bleibt bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig unentdeckt. Denn der Nierenwert Kreatinin reicht zur Früherkennung nicht aus, warnt eine Fachgesellschaft.

Herz und Nieren sind eng miteinander verbunden: Eine eingeschränkte Nierenfunktion belastet das Herz und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche. Umgekehrt können etwa Bluthochdruck und Herzschwäche die Nieren schädigen.

Besonders häufig tritt eine chronische Nierenkrankheit bei Menschen mit Herzschwäche auf: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) ist etwa jeder Zweite davon betroffen, oft ohne es zu wissen. Sie fordert deshalb, bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch immer an die Nierenfunktion zu denken.

Kreatinin kann zu spät auffällig werden

Gerade in frühen Stadien verursacht eine chronische Nierenkrankheit häufig keine eindeutigen Beschwerden. Bei Blutuntersuchungen wird deshalb oft routinemäßig der Kreatininwert bestimmt. Er gibt Hinweise darauf, wie gut die Nieren Abfallstoffe aus dem Blut entfernen. Für die Früherkennung allein genügt er jedoch nicht.

„Der Wert wird häufig erst auffällig, wenn die Nierenfunktion bereits erheblich eingeschränkt ist“, erklärt die Nephrologin Sibylle von Vietinghoff. Eine leicht oder mittelgradig eingeschränkte Nierenfunktion kann so unentdeckt bleiben.

Dabei ist das bereits relevant: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt bei einer chronischen Nierenkrankheit schon lange vor einem möglichen Nierenversagen oder einer Dialyse, einem Blutreinigungsverfahren, das die lebenswichtigen Funktionen der Nieren übernimmt.

Blut und Urin gemeinsam untersuchen

Für eine bessere Einschätzung sollte deshalb zusätzlich zu Kreatinin die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) bestimmt werden. Der Laborwert gibt an, wie gut die Nieren das Blut filtern, und erlaubt eine genauere Beurteilung ihrer Leistungsfähigkeit.

Hinzu kommt eine Urinuntersuchung: Der Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR) zeigt, ob vermehrt Albumin über die Nieren ausgeschieden wird. Das Eiweiß befindet sich normalerweise kaum im Urin. Eine erhöhte Ausscheidung kann auf eine Schädigung der Nierenfilter hinweisen. „Die Urindiagnostik ist genauso wichtig wie die Blutdiagnostik“, betont von Vietinghoff.

Frühe Diagnose kann Behandlung beeinflussen

Die kombinierte Betrachtung von eGFR und UACR ermöglicht eine genauere Einschätzung des Risikos. Das kann auch für die Behandlung wichtig sein, etwa bei der Auswahl und Dosierung von Medikamenten.

Bereits entstandene Nierenschäden lassen sich häufig kaum rückgängig machen. Aber die Behandlungsmöglichkeiten haben sich deutlich verbessert. Neue Medikamente können sowohl Herz als auch Nieren schützen und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen. Daher gewinnt die Früherkennung immer mehr an Bedeutung. „Gerade weil heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, müssen wir die Zusammenhänge zwischen Niere und Herz früh erkennen“, sagt von Vietinghoff.

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