Aufsehenerregender Mordprozess

Drei Schüsse in den Kopf – TikTok führt zu tödlichem Hinterhalt

20.02.2026 – 12:45 UhrLesedauer: 2 Min.

Einer der Angeklagten im Gericht: Nach einem mutmaßlichen Mord stehen in Frankfurt acht Menschen vor Gericht. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Ein 27-Jähriger wird im Frankfurter Hauptbahnhof mit drei gezielten Schüssen getötet. Jetzt stehen acht Männer vor Gericht. Es geht um heimtückischen Mord.

Acht Männer stehen seit Freitag wegen eines mutmaßlichen Mordes und wegen der Verabredung zu einem Verbrechen im Frankfurter Hauptbahnhof vor Gericht. Laut Anklage erschoss ein 56-Jähriger einen 27-jährigen Mann mit drei gezielten Schüssen. Hintergrund sei eine länger andauernde Familienfehde in der Türkei, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Der älteste Angeklagte soll am Abend des 20. August 2024 dem Opfer aus kurzer Distanz von hinten in den Hinterkopf geschossen haben. Als der 27-Jährige zu Boden fiel, soll der Angeklagte ihm noch zweimal in den Kopf geschossen haben, bevor er die Pistole wegwarf und die Flucht ergriff. Das Opfer, das mutmaßlich zu der anderen an der Fehde beteiligten Familie gehörte, starb noch am Tatort.

Die Bundespolizei konnte den mutmaßlichen Täter noch im Bahnhof festnehmen, bevor er mit einem Zug fliehen konnte. In den folgenden Monaten wurden auch die weiteren Verdächtigen verhaftet.

Sieben der Angeklagten im Alter zwischen 22 und 56 Jahren stehen nun wegen heimtückischen Mordes vor Gericht. Einem achten Mann wirft die Staatsanwaltschaft Verabredung zu einem Verbrechen vor. Ein Teil der Beschuldigten hat die deutsche, ein anderer Teil die türkische Staatsangehörigkeit

Hintergrund der Fehde soll ein mutmaßlich vorangegangener Mord sein. Der Onkel des Opfers soll drei Monate vor den Schüssen im Frankfurter Hauptbahnhof einen Angehörigen der Familie der acht Angeklagten umgebracht haben. Die Beschuldigten sollen sich daraufhin zur Blutrache verabredet haben.

Blutrache ist in vielen Ländern ein althergebrachtes Verfahren der Selbstjustiz, mit der ein getöteter Familienangehöriger gerächt werden soll. Auch in der Türkei wird immer wieder über vergleichbare Fälle berichtet.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten das Opfer gezielt ausgewählt haben, weil es auf TikTok aktiv war und sich dort regelmäßig live filmte. Dies habe Rückschlüsse auf seinen Aufenthaltsort ermöglicht. Am Tatabend sollen die Beschuldigten so nachverfolgt haben, dass der junge Mann per Zug vom Mainzer zum Frankfurter Hauptbahnhof gefahren war. Dort sollen dann zwei der Angeklagten auf ihn gewartet haben, um ihn zu überwältigen.

Zum Prozessauftakt ließen alle Angeklagten über ihre Rechtsanwälte erklären, dass sie sich nicht zu den Vorwürfen äußern wollen. Die Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts hat bisher Prozesstermine bis in den Juli hinein festgelegt.

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