Hoher Dieselpreis
Kommt nun der Durchbruch für Elektro-Lkw?
Aktualisiert am 06.04.2026 – 07:37 UhrLesedauer: 5 Min.
Elektro-Lkw gelten als klimafreundlichere Alternative zum Diesel. Doch hohe Anschaffungskosten und fehlende Ladepunkte bremsen deren Einsatz aus. Wie Speditionen damit umgehen.
Kraftfahrer Uwe Lenk ist von seiner Tour nach Hessen zurück, nun parkt er seinen Lkw auf dem Gelände der WP Spedition im sächsischen Zwickau. Die drastisch gestiegenen Dieselpreise kümmern ihn wenig: Sein Lkw fährt mit Strom. Deswegen greift er sich zum Feierabend das Kabel der Ladestation, um den Akku des 40-Tonners zu laden. „Es ist ein ganz anderes Fahren“, schwärmt Lenk. Nicht nur, dass das Schalten wegfalle. „Er fährt viel leiser und hat viel mehr Kraft. Du gibst Gas und bis zu 800 PS sind sofort da.“
Rund 350 Lastwagen hat die Spedition mit zehn Standorten, neun davon fahren rein elektrisch. Der erste E-Lkw wurde Ende 2023 in Betrieb genommen, erzählt Fuhrparkleiter Mike Henniger. „Die guten Erfahrungen mit dem ersten Fahrzeug haben dafür gesorgt, dass wir weitere bestellt haben.“ Trotz etwa doppelt so hohem Anschaffungspreis rechneten sich die Fahrzeuge dank eigener Ladesäulen und der Mautbefreiung, sagt er.
Ein Blick auf die Neuzulassungen in Deutschland zeigt: Alternative Antriebe legen auch bei Lkw zu. Doch es gibt viel Luft nach oben. 2025 war nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes jeder achte neue Lastwagen kein herkömmlicher Diesel, sondern lief mit Strom, Wasserstoff, Gas oder war ein Hybrid. Zum Vergleich: 2021 waren es gerade einmal 5,8 Prozent.
Dabei dominieren Fahrzeuge, die ihre Energie aus einem Akku holen. Fast 27.300 voriges Jahr neu zugelassene Lkw liefen batterieelektrisch, rund 7.300 waren Hybrid-Fahrzeuge und knapp 1.700 wurden mit Gas betrieben. Bei Lkw mit Brennstoffzelle gab es gerade einmal 107 Neuzulassungen.
Bei Sattelzügen fällt die Bilanz jedoch schlechter aus. Und ein Blick auf andere Fahrzeugarten zeigt: Der Güterverkehr hinkt bei der Mobilitätswende weit hinterher. Bei Pkw etwa machen alternative Antriebe schon 59 Prozent der Neuzulassungen aus, bei Omnibussen sind es gut 42 Prozent.
Und ein Blick auf die Straßen zeigt: Während immer mehr E-Autos zu sehen sind, sind Elektro-Lkw rar. Der Anteil liege bei schweren Lkw deutlich unter einem Prozent, erklärt Dirk Engelhardt. Er steht dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung vor und kennt die Branche genau. Die ächzt aktuell unter hohen Dieselpreisen infolge des Krieges im Nahen Osten. Erhalten dadurch E-Lkw auf deutschen Straßen nun Auftrieb?
„Das Potenzial ist grundsätzlich vorhanden“, erläutert der Experte. Am größten sei es in Regionalverkehren. Im nationalen und internationalen Fernverkehr sei der Einsatz dagegen schwierig. Das liege an der geringeren Reichweite der Fahrzeuge und fehlenden Lademöglichkeiten. Für einen Umstieg brauche es flächendeckend mehr Ladepunkte im Megawatt-Bereich. Zudem sei der Strom im öffentlichen Ladenetz teuer. „Wenn ich unterwegs lade und die Anbieter 50 bis 80 Cent pro Kilowattstunde verlangen, dann rechnet sich das nicht.“
