Älter als das Sonnensystem
Interstellarer Komet: 3I/Atlas könnte 12 Milliarden Jahre alt sein
23.06.2026 – 16:33 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Weltraumteleskop „James Webb“ hat das Eis des interstellaren Kometen 3I/Atlas untersucht. Die chemischen Spuren deuten auf einen ungewöhnlichen Ursprung hin.
Ein Forschungsteam unter Leitung der Nasa hat das Alter des Kometen 3I/Atlas neu eingegrenzt. Der Himmelskörper stammt von außerhalb des Sonnensystems und könnte bis zu zwölf Milliarden Jahre alt sein, fast dreimal so alt wie das Sonnensystem. Die Untersuchung erschien im Fachmagazin „Nature“.
Als sich 3I/Atlas im Dezember 2025 von der Sonne entfernte, richteten Astronomen das Weltraumteleskop „James Webb“ auf ihn. Die Sonne hatte sein altes Eis kurz zuvor erwärmt, sodass es als Gas ausströmte; aus dessen Licht lasen die Forscher die chemische Zusammensetzung ab.
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Den Messungen zufolge enthält das Wasser des Kometen rund dreißigmal so viel Deuterium wie das Wasser bekannter Kometen aus dem Sonnensystem. Deuterium ist eine schwere Form des Wasserstoffs, die sich nur bei großer Kälte stark anreichert. Das Eis muss sich demnach bei etwa minus 243 Grad Celsius gebildet haben, nahe dem absoluten Nullpunkt.
Mehr als doppelt so alt wie die Sonne
Der zweite auffällige Wert betrifft den Kohlenstoff. Der Komet enthält nur wenig von der schweren Variante Kohlenstoff-13, dafür viel vom gewöhnlichen Kohlenstoff-12. Sternsysteme reichern Kohlenstoff-13 erst über lange Zeiträume an, während Sterne entstehen und vergehen. Ein Körper mit wenig Kohlenstoff-13 muss deshalb sehr früh entstanden sein, schließt das Team um Martin Cordiner vom Goddard Space Flight Center der Nasa. Aus diesem Wert und der berechneten Flugbahn des Kometen folgert die Gruppe ein Alter von zehn bis zwölf Milliarden Jahren. Die Sonne entstand erst vor rund 4,5 Milliarden Jahren.
Demnach bildete sich 3I/Atlas in einer kalten, an schweren Elementen armen Gaswolke am Rand der Milchstraße, weit entfernt vom Sonnensystem. Damals entstanden im Kosmos besonders viele Sterne. Eine zweite Untersuchung mit dem Großteleskop der Europäischen Südsternwarte unter Leitung von Cyrielle Opitom von der Universität Edinburgh kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.
Erst das dritte bekannte Objekt dieser Art
3I/Atlas ist nach 1I/’Oumuamua von 2017 und dem Kometen 2I/Borisov von 2019 erst das dritte bekannte Objekt von außerhalb des Sonnensystems, das Astronomen während seines Durchflugs entdeckt haben. Aufgespürt hat ihn im Juli 2025 ein von der Nasa gefördertes Durchmusterungsprogramm namens Atlas, das ihm einen Teil seines Namens gab. Den sonnennächsten Punkt seiner Bahn passierte der Komet im Herbst 2025, seitdem entfernt er sich wieder aus dem Sonnensystem.
Die neuen Werte ordnet die Forschungsgruppe in einen größeren Zusammenhang ein. „Die Analyse solcher interstellaren Objekte ist ein wichtiger Schritt, um zu erfahren, wie häufig oder selten die Bedingungen für die Entstehung von Leben im Universum sind“, sagte Stefanie Milam vom Goddard Space Flight Center, Mitautorin der Studie.
Zugleich verweist das Team auf die Grenzen seiner Analyse: Es handle sich um ein einzelnes Objekt, das sich nur während eines kurzen Vorbeiflugs habe vermessen lassen; Vergleichswerte anderer interstellarer Körper fehlten. Das angegebene Alter sei daher eine Schätzung, kein gemessener Wert.
