Recht und Technik

KI-Kanzlei gewinnt erstmals einen Prozess vor Gericht


23.06.2026 – 15:11 UhrLesedauer: 2 Min.

Anwalt am Laptop (Symbolbild): KI senkt Hürden im Gerichtssaal – doch der Mensch bleibt entscheidend. (Quelle: Panthermedia/imago)

Eine selbstständige Beraterin hat sich mithilfe einer KI-Kanzlei vor Gericht durchgesetzt. Für die Gegenseite traten zwei Anwälte an.

In Großbritannien hat eine auf Künstliche Intelligenz gestützte Anwaltskanzlei einen Gerichtsprozess gewonnen. Die Kanzlei Garfield AI vertrat eine selbstständige Personalberaterin im Streit um ein offenes Honorar und setzte sich an einem Zivilgericht im Londoner Stadtteil Wandsworth durch.

Die Klägerin hatte einem Gastronomiebetrieb Leistungen in Rechnung gestellt und auf die Zahlung von 7.000 Pfund (rund 8.120 Euro) gewartet. Nachdem eine außergerichtliche Einigung gescheitert war, nutzte sie die Software von Garfield AI und zahlte dafür rund 400 Pfund (etwa 460 Euro). Nach einer dreistündigen Verhandlung sprach das Gericht ihr das Geld zu und wies eine Widerklage der Gegenseite ab. Diese hatte zwei Anwälte beauftragt.

Vorarbeit erledigt die Software, vor Gericht der Mensch

Wie die britische Zeitung „Guardian“ berichtet, übernahm das System die gesamte juristische Vorarbeit. Es verfasste die vorgerichtliche Korrespondenz, reichte die Klage ein, bearbeitete die Offenlegung von Dokumenten und bereitete Zeugenaussagen sowie die Prozessakte vor. Kurz vor der Verhandlung beauftragte es einen jungen Anwalt, der die Klägerin im Gerichtssaal vertrat.

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Dieser sagte, die Software habe den Fall klar und effizient aufbereitet. Zur Arbeit im Prozess merkte er an: „Die Vertretung vor Gericht blieb wesentlich und eine grundlegend menschliche Tätigkeit.“

Erste KI-Kanzlei mit Zulassung

Garfield AI wurde von einem Technikfachmann und einem Juristen gegründet, um kleinen Unternehmen beim Eintreiben unbezahlter Rechnungen zu helfen. Die britische Aufsichtsbehörde Solicitors Regulation Authority (SRA) ließ die Kanzlei im vergangenen Jahr zu; das Unternehmen gilt als erste reine KI-Kanzlei mit einer solchen Zulassung.

Nach Angaben des „Guardian“ lassen sich darüber Forderungen zwischen 30 und 10.000 Pfund verfolgen. Mitgründer Daniel Long erklärte dem Fachportal „ComputerWeekly“, es gehe nicht darum, Anwälte zu ersetzen, sondern Menschen und Unternehmen ein Mittel zu geben, um ihre Rechte durchzusetzen, wenn der übliche Weg zu langsam, zu teuer oder zu kompliziert sei.

Aufsicht fördert KI, Kanzleien melden Fehler

Die SRA wirbt seit Längerem für solche Angebote, weil sie Rechtsdienstleistungen schneller und günstiger machen könnten. Der Jurist Mark Lewis von der Kanzlei Stephenson Harwood wertete das Ergebnis als Beleg, dass die Technik bei kleinen Streitwerten funktioniere, bei denen hohe Anwaltskosten den Zugang zum Recht erschwerten.

Zugleich hat der Einsatz von KI in der britischen Justiz zuletzt zu Fehlern geführt. Laut „Guardian“ meldete sich die internationale Kanzlei Pinsent Masons im vergangenen Monat selbst bei der SRA, nachdem sie ein Gericht zweimal mit Ergebnissen aus einem internen KI-System in die Irre geführt hatte.

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