Sowohl von US-Seite als auch von chinesischer Seite war Nvidia in einen politischen Sturm geraten. Erst stoppten die USA im April 2025 Chip-Exporte nach China (bis Dezember). Dann verbot China Chip-Importe aus den USA. Im Moment läuft der Handel wieder.

In den vergangenen Tagen oder Wochen machte sich zudem ein neues Phänomen breit an den Kapitalmärkten, und man hat wieder ein neues Wort gelernt: den sogenannten Halo-Trade. Halo steht für Heavy assets low obsolescence. Also Unternehmen mit schweren physischen Unternehmenswerten.

Das bedeutet, Investoren suchen Unternehmen der physischen Welt, deren Güter, Lösungen und Infrastrukturen über Jahre oder Jahrzehnte nicht zu ersetzen sind, zum Beispiel Schienen, Landmaschinen etc. – aber auch Konsumgüter, Nahrungsmittel oder Pharma-Produkte, sodass Infrastruktur-Unternehmen, Maschinen- und Süßwaren-Hersteller, Fast-Food-Ketten oder Pharma-Unternehmen an der Börse zum Teil recht gut abschnitten dieser Tage. Für den Moment scheint die Erzählung von KI als großem Zerstörer der alten, physischen Welt etwas an Kraft verloren zu haben.

In dieser Gemengelage kam eine womöglich positive Nachricht von einem der wichtigsten Nvidia-Kunden und zugleich Partner des Chip-Unternehmens, von Anthropic, dem Entwickler des KI-Sprachmodells Claude:

Anthropic hatte vor Kurzem neue Möglichkeiten für Unternehmen zur KI-Nutzung vorgestellt: Es soll mehr Kooperation als Zerstörung geben. Glaubt man Anthropic, würden zum Beispiel Software-Unternehmen nicht, wie in den vergangenen Wochen immer wieder befürchtet wurde, von KI „plattgemacht“. Stattdessen solle sie bestehende IT-Ökosysteme ergänzen. Wie genau, mögen Experten erklären und wird die Zukunft zeigen.

Die Ansage trug zur Beruhigung an den Aktienmärkten bei. Kooperation klingt besser als Zerstörung. Doch einige Unternehmen sind inzwischen recht weit im Wert an der Börse heruntergeprügelt worden. So kommen erste Übernahme-Spekulationen auf.

Ein Beispiel: Der Zahlungsabwickler Stripe interessiert sich angeblich für PayPal. Und wenn man mal schaut, wie sehr die PayPal-Aktie geschrumpft ist – von fast 80 US-Dollar im August auf unter 40 US-Dollar im Februar, mit einer Bewertung von rund 40 Milliarden US-Dollar –, scheinen solche Pläne denkbare Szenarien zu werden. Ob das wirklich KI-Schnäppchen sind? Die Antworten stehen noch aus. Wie so viele andere auch in Sachen KI.

Sagen wir so: Ein Event, eine Präsentation, eine Einschätzung eines einzelnen Unternehmens, das natürlich auch seine eigenen Interessen verfolgt, verändert nicht auf einmal den gesamten Markt, die gesamte Stimmung. Es entschärft die Sorgen, ja. Belastbare Zahlen müssen die Erwartungen aber erst noch belegen. Und nach wie vor gilt: Wer mit seinen Bilanzen und Aussichten Erwartungen nicht trifft oder weit verfehlt, wird an den Kapitalmärkten abgestraft. Das mag KI-Unternehmen, die unter besonderer Beobachtung und an den Börsen weit gestiegen sind, besonders treffen, gilt aber für alle.

Alles in allem sind die KI-Sorgen nicht auf einmal vom Tisch, kurzfristige Ergebnisse führen immer zu Diskussionen. Aber die Sorgen haben sich abgeschwächt, denn nachhaltige Betrachtungen spielen inzwischen zu Recht eine größere Rolle. Wie viel wird worin investiert? Was bringt das? Und wann und was bedeuten all die Ausgaben für die finanzielle Lage der KI-Unternehmen? Berechtigte Fragen: Denn wir sehen derzeit auch, dass viele KI-Firmen ihr finanzielles Heil mehr und mehr am Anleihenmarkt suchen. Vor allem die großen Unternehmen sind zwar finanzstark, verteilen aber die Risiken. Ein KI-Boom auf Pump wird aber auch Konsequenzen haben.

Share.
Exit mobile version