„Kevin Kühnert wird ja noch richtig zum Wirtschaftsliberalen“, frotzelte daraufhin Philipp Amthor. Es gehe um ein positives Verhältnis zum Thema Leistung und Anreize für Mehrarbeit, nicht um Zwang zur Vollzeitarbeit, so Amthor. Die CDU-Debatte um „Lifestyle-Teilzeit“ nannte er „verunglückt“.
Mit Bezug auf die Überstunden-Bemerkung wollte Sandra Maischberger von Kevin Kühnert wissen, ob man im Beruf des Spitzenpolitikers dazu neige, sich zu überfordern. „Jeder hat ein unterschiedlich dickes Fell“, erklärte Kühnert. Er wolle aus seiner individuellen Erfahrung nichts Allgemeingültiges ableiten. Für ihn aber habe am Ende „die Balance“ nicht mehr gestimmt „zwischen dem enormen Aufwand und teilweise auch Raubbau, den man an sich betreibt“, und dem „was man noch bewirken kann“. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass er in seiner jetzigen Position als Lobbyist mehr erreichen könne.
„Traurig für das Parteiensystem“ nannte Sandra Maischberger diese Erkenntnis, und auch Philipp Amthor drückte sein Bedauern aus: Schließlich sei Kühnert bei allen grundlegenden Unterschieden jemand gewesen, der „leidenschaftlich“ für seine politischen Inhalte gekämpft habe. Das brauche die Demokratie. Er selbst habe jedoch das Gefühl, in seiner aktuellen Rolle als parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium sehr wohl „Dinge voranbringen“ zu können.
Maischbergers Frage, ob der Staat angesichts der aktuellen Energiepreise auf einen Teil seiner Steuern verzichten solle, verneinten beide. Sowohl Kühnert als auch Amthor prangerten stattdessen ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen der Mineralölkonzerne an. Diese gelte es zu regulieren.
Das lieferte sie zwar zunächst auch: „Nein, weder ist die Schwarzer für die AfD noch für die Weidel“, erklärte sie. Vielmehr sei ihr das Zitat vom Interviewer „fast in den Mund gelegt“ worden. „Also, was denkst du über Alice Weidel?“, hakte Maischberger nach. „Ich halte sie für eine wirklich sehr tüchtige Frau“, erklärte Alice Schwarzer, „das darf ich doch noch, oder?“ „Du darfst alles“, seufzte Maischberger.
