1993 berichtete erstmals die „Bravo“ über die Kellys, nachdem sich unzählige Leser bei der Jugendzeitschrift gemeldet hatten – man möge doch bitte einen Bericht über die irische Musikerfamilie machen, die durch Europa tourt. Aus einem einzelnen Bericht wurden wöchentliche Geschichten. 1994 erschien das erste regulär im Handel erhältliche Album: „Over The Hump“. Es wurde weltweit über fünf Millionen Mal verkauft und machte die Familienmitglieder zu Superstars.

Fan-Hysterie und Bombendrohungen

Von der „Sean O’Kelley“ aus plante die Familie ihren Welterfolg. „Alles Entscheidende spielte sich auf dem Boot ab“, erinnerte sich Joey Kelly. „Wenn man Geschäfte mit den Kellys machen wollte, musste man hierhin.“ Während eines Hochwassers sei sogar ein hochrangiger Plattenmanager mit einem Boot zum Kahn gepaddelt, weil er mit Vater Dan einen Vertrag schließen wollte.

Das Hausboot war inzwischen nicht mehr nur Arbeits- und Wohnort der Musikerfamilie, sondern auch Reiseziel ihrer Fans. Die pilgerten aus ganz Deutschland, um einen Blick auf Angelo, Paddy und Co. zu erhaschen. Aus Bewunderung wurde schnell Hysterie.

Weil Scharen von Fans auf dem Gelände am Hafen übernachteten und liebestrunkene Teenager regelmäßig versuchten, ins Hausboot einzudringen, ließ die Kelly Family zu ihrem eigenen Schutz eine Mauer um die „Sean O’Kelley“ ziehen. Außerhalb hatten Sicherheitskräfte Mühe, mit dem massiven Fan-Auflauf umzugehen. Dazu kamen Brief- und Bombendrohungen von Kelly-Hassern.

Hausboot der Kelly Family steht heute in Speyer

1998 zog die Familie Konsequenzen: Sie zog um – nach Schloss Gymnich in Erftstadt, rund 30 Kilometer von Köln entfernt. Familienpatriarch Dan ersteigerte das Wasserschloss für 13,1 Millionen D-Mark und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. Die „Sean O’Kelley“ ließ die Familie im Mülheimer Hafen zurück.

Die O’Kelly zieht um. (Quelle: Die O’Kelly liegt im Rhein (Archivbild): Hier hatte die berühmte Kelly-Family ihre Anfänge.)

2004 war das Kapitel Köln für das Hausboot beendet: Es wurde 300 Kilometer flussaufwärts über den Rhein zum Technikmuseum Speyer transportiert. Dort sollte es als Dauerleihgabe ein neues Zuhause finden. „Der Transport des Hausbootes war mit einem großen logistischen und technischen Aufwand verbunden“, sagt Museums-Sprecherin Alla Schneider der Kölner Redaktion von t-online.

In der Speyerer Werft angekommen, musste das 190-Tonnen-Schiff auf Schlitten und mit mehreren Winden an Land gezogen werden. Auf 20 Achsen gepackt, rollte es im Schritttempo die letzten zwei Kilometer zum Museumsgelände.

Beliebtes Ziel für Kelly-Fans

Seitdem steht die „Sean O’Kelley“ im Technikmuseum. Von einer vierwöchigen Unterbrechung abgesehen – 2022 ließen die Kellys ihr Hausboot für eine TV-Doku erneut zu Wasser.

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