Pressestimmen zu Starmer-Rücktritt

„Ein mit Wasser überfüllter Wackelpudding“


Aktualisiert am 22.06.2026 – 13:19 UhrLesedauer: 2 Min.

Keir Starmer tritt vor die Presse. Der britische Premierminister erntet auch nach seinem Rücktritt noch deutliche Kritik. (Quelle: Andrew Matthews)

Der Rücktritt des britischen Premierministers beschäftigt die Medien im Inland und über Landesgrenzen hinaus.

Der Rücktritt von Keir Starmer steht fest. Er gebe den Posten als Vorsitzender der Labour-Partei ab, sagte der 63-Jährige in einer Ansprache vor dem Regierungssitz 10 Downing Street. Bis ein Nachfolger gewählt sei, werde er als Regierungschef noch im Amt bleiben, so Starmer weiter.

Starmer beugt sich damit dem seit Wochen steigenden Druck aus seiner Partei. Mit Andy Burnham steht bereits ein potenzieller Nachfolger in den Startlöchern. Die Medienlandschaft nimmt Abschied vom scheidenden Regierungschef. Bis zum Schluss erhält Starmer deutliche Kritik.

Presse fällt scharfes Urteil

Die britische Zeitung „Daily Mail“ erklärt Starmers Niederlage mit dessen Charakter: „Premierminister zu sein, bedeutet, die Chance zu haben, dem Land den eigenen Charakter und die eigenen Überzeugungen aufzudrücken – eine Epoche zu prägen. Doch was, wenn der Inhaber dieses bedeutenden Amtes keine markante Persönlichkeit besitzt?“ Starmer sei als Regierungschef wie „ein mit Wasser überfüllter Wackelpudding“ gewesen, stets gefangen in Klischees, immer für unbeabsichtigte Lacher gut.

Die Einzigen, die Starmer vielleicht vermissen würden, so schließt die boulevardeske Zeitung ihren Kommentar zu dessen Abgang, seien die Parlamentskolumnisten. „Für uns war dieser mutlose Premierminister ein dankbares Ziel.“

„The Sun“ wirft einen Blick auf die politische Bilanz des Premierministers. Der sei als verantwortungsvoller „Erwachsener“ ins Amt gekommen, wollte das Land einen. Das Image habe er schnell verloren: „Sein Korruptionsminister trat wegen Korruptionsvorwürfen zurück; sein Wohnungsbauminister kündigte, nachdem er keine Wohnsteuer gezahlt hatte; sein Minister für Obdachlosigkeit ging nach Vorwürfen eines fragwürdigen Vermieters; sein Verkehrsminister wurde als verurteilter Betrüger entlarvt, und sein Gesundheitsminister musste gehen, nachdem er sich den Tod eines Rentners gewünscht hatte.“

Immerhin habe er das Versprechen halten können, das Land zu einen – „gegen sich selbst“, schließt „The Sun“.

Starmers Karriere war „shakespearehaft“

Die Zeitung „The Guardian“ beschreibt Starmers Amtszeit als „shakespearehaft“, auch wenn er keine dramatische Person sei. „Sein Niedergang ist natürlich auch ein Spiegel einer beispiellosen Ära, in der Wählerloyalitäten sich aufgelöst haben, eine Zweiparteien-Hegemonie in fünf Teile zerbrochen ist und Labour erstmals sowohl von links als auch von rechts eine geschlossene Bedrohung gegenüberstand.“

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