Sommerurlaub auf der Kippe
Kerosinmangel: Werden Reiseveranstalter Urlauber zur Kasse bitten?
05.05.2026 – 10:41 UhrLesedauer: 3 Min.
Kerosin wird spätestens ab Juni knapp werden, sagen Luftfahrtexperten. Einige Fluggesellschaften halten dagegen. Und wie äußern sich Reiseveranstalter zum Thema?
Der Sommerurlaub ist für viele Deutsche unantastbar. Ist er einmal gebucht, darf nicht mehr daran gerüttelt werden und die Vorfreude wird ausgekostet. Dieses Jahr gibt es aber bedrohliche Meldungen über Treibstoffknappheit durch die Sperrung der Straße von Hormus im Persischen Golf. Wird den Fluggesellschaften das Kerosin genau dann ausgehen, wenn Abertausende in die verdienten Ferien fliegen wollen?
Die großen deutschen Reiseveranstalter beruhigen Reisefans. Man werde die Preise für bereits gebuchte Reisen nicht nachträglich erhöhen, berichteten die Anbieter Tui, Alltours und Dertour dem „Tagesspiegel“ in einer Umfrage. Zukünftige Buchungen könnten allerdings teurer werden.
Zukünftige Buchungen könnten teurer werden
„Im Moment steigt der Kerosinpreis“, sagte der Chef der Rewe-Touristiktochter Dertour-Group, Christoph Debus, dem Blatt. „Wenn dies auf dem Niveau bleibt, können wir Kostensteigerungen für zukünftige Buchungen nicht ausschließen.“
Reiseveranstalter können den Reisepreis nachträglich erhöhen, wenn dies im Vertrag vereinbart wurde und gestiegene Kosten wie Kerosin es nachweislich erfordern. Ein solcher Preisaufschlag muss allerdings spätestens 20 Tage vor Reisebeginn mitgeteilt werden. Bei Aufschlägen von mehr als acht Prozent haben die Kunden ein Sonderrücktrittsrecht.
Das Versprechen, Preise nicht zu erhöhen, dürfte für viele eine Erleichterung sein. Aber was, wenn gar nicht geflogen werden kann? Auch die großen Airlines kündigten zuletzt im Gespräch mit t-online an, den Kunden entgegenzukommen. Der Kerosinbedarf sei lange vor dem Sommer zu einem vertraglich festgelegten Preis abgesichert worden, erläuterten Condor, Eurowings, Easyjet und Co. Doch Kerosin wird an Flughäfen aufgetankt. Was, wenn hier keines mehr ankommt?
„Die meisten Leute gehen davon aus, dass alles in Ordnung ist, solange Frankfurt, Schiphol oder Heathrow normal laufen“, sagt Prewave-Lieferkettenexperte Marco Felsberger t-online. Das sei genau die falsche Art, die Situation zu beurteilen. „Die Flughäfen, die das zuerst zu spüren bekommen, sind nicht die großen Drehkreuze, sondern die Urlaubsflughäfen: Palma de Mallorca, Heraklion, Málaga, Barcelona, Larnaka, Faro. Genau diese Ziele buchen viele Europäer gerade für den Sommer, und sie stehen ganz vorn in der Reihe, wenn physische Treibstoffengpässe auftreten“, so Felsberger weiter.
Im Ernstfall hätten Urlauber das Nachsehen
Der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt hält ebenfalls dagegen. „Die Gefahr einer Kerosinkrise ist real und sie wird so schnell nicht weggehen, weil die Lieferkette natürlich gerissen ist“, sagt er. Seiner Meinung nach könnte ein Engpass im Juni beginnen.
Sollten die verfügbaren Bestände tatsächlich unter eine kritische Grenze fallen, müssten Regierungen in Berlin und Brüssel entscheiden, welche Flüge Vorrang haben. In einem solchen Szenario könnten Rettungsflüge, militärische Einsätze und wichtige Frachttransporte – etwa für Medikamente oder Halbleiter – bevorzugt werden. Urlaubsflüge hätten dann das Nachsehen. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Kerosin-Triage“.
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